Momo.

Momo, der Mops.

Das ist Momo. Laut Pass heißt er Emil von Grafenstein, sein Rufname war zuvor Moritz - beides fanden wir unerträglich, übrig blieb einfach nur "Momo". Und da seine Manieren sowieso unter aller Sau waren und immer noch sind, er dazu halb blind und taub ist, haben wir es dabei belassen - auf seinen Namen hat er eh nicht gehört. Und auch sonst auf keine Befehle. (Endlich weiß ich auch, warum es heißt: "Einem alten Hund kannst du keine neuen Tricks beibringen." Ahahaha.)

Momo ist schon stolze elf Jahre alt. Sein Herrchen ist gestorben, das Frauchen war leider bewegungstechnisch eingeschränkt (sie waren schon älter) und die Verwandtschaft wollte sich nicht um den Hund kümmern - was nicht sonderlich verwunderlich ist, denn Momo hat Spondylose. Spondylose ist eine Skeletterkrankung und zeichnet sich dadurch aus, dass die Wirbelsäule "verknöchert", also erhärtet. Dadurch wird der Bewegungsapparat eingeschränkt, teilweise die Nerven geschädigt. Laufen ist schwierig, zudem kann Momo seinen Stuhlgang nicht kontrollieren, sprich, er ist stuhlinkontinent.

So einen Hund möchte natürlich keiner haben – es wurde zwar versucht, ihn weiterzuvermitteln, was aber nicht geklappt hat, eben, weil man sich ja nicht unbedingt freiwillig "noch mehr Arbeit" ins Haus holen möchte – und das ist so ein Hund nun mal.

Wir haben ihn trotzdem adoptiert.

Momo zog also bei uns ein. Als wir ein paar Tage später mit ihm beim Tierarzt waren stellten wir fest, dass er auch seit über sieben Jahren nicht mehr geimpft wurde. Also erst mal die volle Ladung nötiger Impfungen, gegen die erschlaffte Muskulatur bekam er Tabletten, gegen die trockene Hornhaut Tropfen zum Befeuchten.
Es ist erstaunlich, wie sich ein Hund verändern kann: Anfangs konnte er kaum ein paar Meter am Stück gehen, da er seine Beine extrem nachgeschleift hat, weil er diese durch die Spondylose nicht mehr richtig bewegen konnte. Da seine Besitzer älter waren, waren wohl auch die Gassirunden nicht so ausgiebig und die Muskulatur ist langsam aber sicher erschlafft. Gegen Ende wurde er nachts in eine Mini-Box gesperrt, vermutlich, damit er nirgendwo hinmacht. Anfangs war er auch extrem anhänglich und folgte einem auf Schritt und Tritt - aus Angst, zurückgelassen zu werden.

Momo und Bella.
Bella und Momo.

Heute ist Momo gar nicht mehr wiederzuerkennen - das stellen wir immer wieder an "den kleinen Dingen" fest. Er hat inzwischen seinen Rhythmus, in wir mit ihm seine Gassirunden drehen; Malheure in der Wohnung passieren nur noch selten. Er kann inzwischen auch längere Strecken zurücklegen, obgleich auch langsam. Durch die Medikamente funktioniert die Durchblutung der Beine besser, die Muskulatur hat sich wieder einigermaßen aufgebaut und somit kann er schon wieder fast richtig mit seinen Hinterbeinen laufen und seit neuestem sogar "richtig" sitzen - nämlich auf seinen Beinen, nicht mehr direkt auf dem Hintern, weil er keine Kraft mehr hatte, sich zu halten.

Wir hatten eigentlich nicht vor, uns einen zweiten Hund anzuschaffen, schon gar nicht mit Bella, unserem Mops "auf Ecstasy", der einem ja auch nicht gerade wenig abverlangt. Aber Momo ist im Grunde richtig pflegeleicht, wenn man weiß, wie man ihn nehmen muss. Alles, was er will, sind seine Gassirunden, natürlich sein Futter und sehr viel Liebe. Denn wie alle Möpse ist er extrem anhänglich.

Ja, viel ist passiert, seitdem wir auf Facebook den Post gesehen haben, dass ein Mops ein neues Zuhause sucht. Und viele haben uns anfangs gefragt, ob es wirklich die richtige Entscheidung war.
Nach den ersten paar Tagen habe ich ehrlicherweise geantwortet, dass ich es nicht weiß. Natürlich war es zu Beginn schwierig, weil man nicht einschätzen kann, wie ein Hund tickt, wenn man ihn nicht kennt. Aber jetzt, nach über sechs Monaten, kann ich sagen: Es war definitiv die richtige Entscheidung. Hunde sind einfach tolle Begleiter. Und vor allem der Mops an sich ist einfach ein absolut liebenswertes Wesen, wenn man ihn mal näher kennengelernt hat.

Momo wird übrigens bald schon zwölf Jahre alt - das entspricht in etwa 72 Menschenjahren. Die alte Hupe. Wir freuen uns jedenfalls, dass er seinen Lebensabend bei uns verbringen kann.

No regrets.

---

Momo und Bella haben - wie alle modernen Hunde von heute - übrigens auch einen Instagram-Account.

7 Comments

  1. So ein schö­ner Bei­trag und eo schön, dass Momo so ein tol­les neu­es Zuhau­se gefun­den hat! #heart

  2. Zum Knut­schen. Ihr alle.
    Wir hat­ten über die Jahr­zehn­te vier Möp­se, die Zeit mit ihnen möch­te ich nicht mis­sen. Der letz­te Gang mit ihnen war jeweils die Höl­le, den­noch wür­de ich wür­de so gern schon mor­gen wie­der einen neh­men, aber mein Ver­mie­ter sagt nein zu Hun­den. *seufz*

  3. Stefanie

    Aw, da geht mir als Hun­de­fan- und Hal­te­rin ja rich­tig das Herz auf. <3 Schön dass Momo so ein wun­der­ba­res Zuhau­se gefun­den hat!

  4. Gro­ße Lie­be für euch und die Hun­dis❤️

  5. Wow!
    Du hast mei­nen aller­größ­ten Respekt dafür, dass du dir einen sol­chen »Pfle­ge­fall« von Hund ins Haus holst! Ich glau­be, das hät­te ich wohl nicht getan…
    Aber wenn man erst mal so ein kränk­li­ches Tier hat, dann ist es wirk­lich unheim­lich wich­tig, sich um die rich­ti­ge Ver­sor­gung zu küm­mern, weil es eben Wun­der wirkt.
    So wie du die Ver­bes­se­rung bei Momo (übri­gens wirk­lich ein ganz schö­ner Name, wo ich Moritz für einen Mops sehr unpas­send fin­de…) beob­ach­ten konn­test, habe ich es vor 1,5 Jah­ren mit einem Shet­ty erlebt, dass Huf­re­he hat­te, als es zu uns am. Da wir aber dann peni­bel auf das rich­ti­ge Fut­ter geach­tet haben und es sehr regel­mä­ßig bewegt haben, was dann eben bei­den wich­tig ist, ging es dem Tier immer bes­ser und irgend­wann hat­te es statt Schmer­zen beim Ren­nen Freu­de dar­an :) Das war ein­fach nur wundervoll.

    Lie­be Grü­ße und noch vie­le schö­ne Stun­den mit Momo wün­sche ich dir!

totop