Das war also mein viertes Semester.

Uni Hohenheim im Herbst

Fer­tig mit dem Grund­stu­di­um – ab in die Ver­tie­fun­gen! Das vier­te Semes­ter war ziem­lich ent­spannt, was dar­an lag, dass mir vie­le Grup­pen­ar­bei­ten erspart blie­ben und auch die Lis­te der Vor­le­sun­gen rela­tiv gering waren.

Wir durf­ten uns aus sechs Ver­tie­fun­gen drei aus­wäh­len: Markt- und Media­for­schung, Medi­en­psy­cho­lo­gie, Online­kom­mu­ni­ka­ti­on, poli­ti­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on, Sozio­lo­gie und Sozi­al­psy­cho­lo­gie der Kom­mu­ni­ka­ti­on und Public Rela­ti­ons. Im Grun­de bin ich bis auf eine Ver­tie­fung ziem­lich zufrie­den mit mei­ner Wahl – aber ich hät­te anstatt Markt- und Media­for­schung doch lie­ber einen etwas mehr psy­cho­lo­gi­schen Teil gewählt. (Ich glau­be, Markt- und Media­for­schung ist so ziem­lich das lang­wei­ligs­te, das mir an Ver­tie­fung unter­ge­kom­men ist.)

Die Vorlesungen

Markt- und Media­for­schung: Wor­um geht es? Media­for­schung beschäf­tigt sich unter ande­rem mit der Ver­brei­tung von Wer­be­mit­teln als auch mit der Wer­be­trä­ger­for­schung. Sie ist also oft im Ein­satz, wenn es um Erfolgs­kon­trol­le von redak­tio­nel­len Inhal­ten oder Wer­bung geht; zudem bie­tet es Wer­be­trei­ben­den Grund­la­gen und Zah­len für den Ein­satz von Werbung.
Markt­for­schung ist das Sam­meln, Aus­wer­ten und Inter­pre­tie­ren von Daten in Bezug auf den Markt und Markt­be­ei­flus­sungs­mög­lich­kei­ten und um Infor­ma­tio­nen bezüg­lich Mar­ke­tin­gent­schei­dun­gen zu sam­meln, z. B. um zu tes­ten, wie neue/relaunchte Pro­duk­ten auf dem Markt ankom­men. Hier­für gibt es ver­schie­de­ne Arten: Man befragt Men­schen, man ver­kauft das Pro­dukt test­wei­se in einem Super­markt oder in einem extra dafür ein­ge­rich­te­ten »Mini-Test­markt« unter Labor­be­din­gun­gen. Was ich hier krass fand: den GfK-Beha­viour-Scan. Es gibt einen Ort in Deutsch­land, des­sen Bevöl­ke­rungs­struk­tur und durch­schnitt­li­ches Kauf­ver­hal­ten der Deutsch­lands ent­spricht – und dort betreibt man mit rund 3.500 Panel-Haus­hal­ten Markt­for­schung und der Groß­teil des Lebens­ein­zel­han­dels zieht mit. Also Reprä­sen­ta­ti­vi­tät at its hig­hest level. Ist die­se Situa­ti­on nicht abso­lut schräg? Und ich mei­ne auch … das gan­ze Vor­ge­hen? (Ich weiß. Ich begeis­te­re mich zu sehr ABER IST DAS ALLES NICHT SCHRÄG?)

Vie­le Aspek­te der Vor­le­sung waren durch­aus inter­es­sant, kei­ne Fra­ge. Es geht einer­seits viel um die Metho­dik, also das Sam­meln und Aus­wer­ten von Zah­len (sur­pri­se, Wis­sen­schafts­stu­di­um!) aber auch um ziem­lich viel BWL-Kram: Wo gebe ich wofür wie viel Geld aus um mög­lichst viel wirt­schaft­li­chen Erfolg zu haben. Ziem­lich ekel­haft. BWL. Ich mei­ne. Not­hing more to say.

Public Rela­ti­ons: Auf Deutsch: Öffent­lich­keits­ar­beit. Public Rela­ti­ons ist das Manage­ment von Kom­mu­ni­ka­ti­on. Und Kom­mu­ni­ka­ti­on ist der Kern die­ser Dis­zi­plin. Was ist das Ziel der Public Rela­ti­ons? Das Unter­neh­men, die Per­son oder einen Ver­band in einem mög­lichst guten Licht daste­hen zu las­sen. Ihm ein Image zu ver­pas­sen. Der PR-Fach­mann Carl Hund­hau­sen bezeich­ne­te PR als »Kunst, durch das gespro­che­ne oder gedruck­te Wort, durch Hand­lun­gen oder durch sicht­ba­re Sym­bo­le für die eige­ne Fir­ma, deren Pro­dukt oder Dienst­leis­tung eine güns­ti­ge öffent­li­che Mei­nung zu schaf­fen«. Wei­te­re Zie­le der PR sind das Issue Manage­ment, das Erken­nen von kri­ti­schen auf­kom­men­den The­men in den Öffent­lich­keit. Und natür­lich die Königs­dis­zi­plin Kri­sen­kom­mu­ni­ka­ti­on – die heu­te ja unter ande­rem durch Soci­al Media und inves­ti­ga­ti­vem Jour­na­lis­mus (hal­lo, Medi­en­wett­be­werb) wich­ti­ger als je zuvor ist. Jeder hat ver­mut­lich mal von einem Shit­s­torm von ver­schie­de­nen Unter­neh­men mit­be­kom­men. Und kei­ner möch­te das.

Oft wird PR mit Wer­bung oder Mar­ke­ting ver­wech­selt und die Zunah­me der Ver­mi­schung der Dis­zi­pli­nen (vie­le Unter­neh­men haben kei­ne sepa­ra­te PR-Abtei­lung – da wird Kom­mu­ni­ka­ti­on eben mit Mar­ke­ting in einen Topf gewor­fen) macht es nicht ein­fa­cher, bei­des zu unter­schei­den. Wer­bung bezahlt für den Platz in den Medi­en und möch­te die Ziel­grup­pe dadurch beein­flus­sen und über­zeu­gen. Im Gegen­satz dazu ver­folgt PR vor­ran­gig das Ziel, Ver­trau­en auf­zu­bau­en und damit das Image einer Person/eines Unter­neh­mens zu stär­ken und somit die Anspruchs­grup­pen für sich zu gewin­nen. Also Men­schen, die Inter­es­se an einem Unter­neh­men haben und abhän­gig von des­sen Ent­schei­dun­gen sind, wie bei­spiels­wei­se Arbeit­neh­mer, Lie­fe­ran­ten oder poten­ti­el­le Kunden.

Da ich das Semes­ter auch par­al­lel in einer PR-Abtei­lung gear­bei­tet habe, war das Gan­ze für mich nicht nur theo­re­tisch, son­dern auch prak­tisch rele­vant. Und tat­säch­lich habe ich dadurch vie­les gelernt – unter ande­rem auch, dass mir der Job zwar Spaß macht, aber defi­ni­tiv nicht mei­ne Lei­den­schaft ist und mir der krea­ti­ve Part zu sehr fehlt. Der Job hat mich par­al­lel aber auch inspi­riert, her­aus­zu­fin­den, was ich spä­ter beruf­lich machen möch­te. Aber das ist ein ande­res Thema.

Online­kom­mu­ni­ka­ti­on: Fil­ter­bla­sen, Echo­kam­mern, Fake News – die Online­kom­mu­ni­ka­ti­on beschäf­tigt sich mit den Aus­wir­kun­gen der Online­kom­mu­ni­ka­ti­on auf den Ein­zel­nen, die Orga­ni­sa­ti­on und die Gesell­schaft. War­um haten so vie­le über die Kom­men­tar­funk­tio­nen von Face­book? Wer sind die­se Men­schen, was treibt sie dazu an? War­um leben wir in unse­ren Fil­ter­bla­sen? Kön­nen wir aus die­sen aus­bre­chen? Was trägt zur Ver­stär­kung die­ser bei? Ich fand die­se Ver­tie­fung abso­lut inter­es­sant und hab des­we­gen ver­mut­lich auch die ein­zi­ge Grup­pen­ar­beit des Semes­ters überlebt. 

Spa­nisch: Da man fürs Stu­di­um auch eine bestimm­te ECTS-Anzahl braucht an unbe­no­te­ten oder beno­te­ten Modu­len, habe ich mich das Semes­ter dafür ent­schie­den, Spa­nisch zu ler­nen. Okay, ehr­lich gesagt war ich nach mei­nem Ita­lie­nisch-Kurs im ers­ten Semes­ter ziem­lich frus­triert, weil mir der Lern­stil über­haupt nicht gefiel. Spa­nisch liegt mir aber irgend­wie. Ich hat­te zwar nur ein Jahr Spa­nisch in der Ober­stu­fe – und das dürf­te locker drei­zehn Jah­re her sein – trotz­dem fiel es mir leicht, alles zu ler­nen und zu ver­ste­hen. Dabei habe ich tat­säch­lich nur das Nötigs­te gemacht, weil die ande­ren drei Vor­le­sun­gen plus arbei­ten schon eine Men­ge Zeit gefres­sen haben. Und obwohl ich unge­lo­gen kei­ne ein­zi­ge Voka­bel gelernt habe, bin ich am Ende mit einer Zwei aus dem Kurs mar­schiert. Eine Prä­sen­ta­ti­on auf Spa­nisch zu hal­ten muss ich aber nicht mehr haben. (Ich habe ein Refe­rat über Kolum­bi­en und Bogo­ta gehal­ten und kei­ner fand mei­ne Koks- oder Sha­ki­ra-Wit­ze lus­tig. Schweinerei.)

Erkenntnisse

Ich bin mehr Prak­ti­ker als Theo­re­ti­ker. Ich lie­be es Stoff auf­zu­be­rei­ten, Stu­di­en oder Essays zu lesen und Haus­ar­bei­ten zu schrei­ben; also etwas aktiv anzu­wen­den. Was ich abso­lut has­se – und das wird sich ver­mut­lich nie­mals ändern – ist die­ses fürch­ter­li­che Buli­mie-Ler­nen. Sich für eine Klau­sur mal eben 150 Kar­ten rein­zu­bom­ben macht ein­fach kei­nen Spaß und hat mich das Semes­ter schier an den Ran­de des Wahn­sinns gebracht. Ich ken­ne Men­schen, die schrei­ben sechs Klau­su­ren in zwei Wochen – stellt Euch mal die Men­ge an Infor­ma­ti­on vor, die man sich da kurz­fris­tig ein­ver­leibt. Props an alle, die das kön­nen. Ich kann es nicht. (Tipps willkommen.)

Es nervt mich auch ziem­lich, dass ich kurz vor dem fünf­ten Semes­ter ste­he und bis dato erst eine ein­zi­ge Haus­ar­beit schrei­ben muss­te und im Prin­zip rela­tiv wenig Ahnung vom Ver­fas­sen von wis­sen­schaft­li­chen Arbei­ten habe. Soll­te das nicht das Ziel eines wis­sen­schaft­li­chen Stu­di­en­gangs sein? Statt­des­sen über­all unnüt­ze Grup­pen­ar­bei­ten und Prä­sen­ta­tio­nen, die die meis­ten eh frus­trie­ren und an den Ran­de eines Amoks­laufs brin­gen. Und irgend­wo dazwi­schen ste­he ich, die in einem hal­ben Jahr beginnt, ihre Bache­lor­ar­beit zu schrei­ben. Sozu­sa­gen die zwei­te wirk­li­che wis­sen­schaft­li­che Arbeit. In die­sem Bereich füh­le ich mich lei­der viel zu wenig vor­be­rei­tet – ziem­lich scha­de. (Hier stand zuvor noch ein hef­ti­ger Rant, den ich gelöscht habe.)

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2 Comments

  1. Irre – du hast vier Semes­ter fer­tig und ich star­te gera­de erst ins drit­te… aber trotz­dem habe ich schon zwei wis­sen­schaft­li­che Berich­te ver­fas­sen müs­sen… die gibt es bei uns näm­lich nach jeder Pra­xis­pha­se. Also schrei­be ich 4 Berich­te, bevor ich mir der The­sis beginne. 

    Dafür bin ich aber nei­disch, dass du nur 3 Vor­le­sun­gen und Spa­nisch hat­test. Das ist zwar sicher auch schon nicht wenig, aber wir haben jedes Semes­ter 6 Modu­le… die­ses Semes­ter sind es 28 Wochen­stun­den, in den vor­an­ge­gan­gen Semes­tern waren es aber 30 und 32. 

    Dei­ne Vor­le­sun­gen klin­gen aber viel span­nen­der als mei­ne! Selbst Markt- und Medi­en­for­schung stel­le ich mir geni­al vor, weil ich das Sam­meln und Aus­wer­ten von sol­chen Daten, die sich mit Kon­sum beschäf­ti­gen, so inter­es­sant finde. 

    Unter PR kann ich mir wenig vor­stel­len, weil ich das auch oft mit Mar­ke­ting unter einen Hut stecke…
    Aber was du nun beruf­lich anstrebst, wür­de mich doch interessieren!!! 

    Online­kom­mu­ni­ka­ti­on ist natür­lich mega span­nend – wo wir Blog­ger­lein doch eh alle non­stop online sind. Da fin­de ich so fas­zi­nie­rend, wie sich da der Kon­takt zu den rich­ti­gen und fal­schen Per­so­nen­grup­pen aus­wirkt und wie sehr Wer­be­an­zei­gen beein­flus­sen und sowas. Was hast du in der Vor­le­sung da so gelernt?

    Spa­nisch hät­te ich nicht gewählt – ich bin kein Fremd­spra­chen­mensch. Nur Pro­gram­mier­spra­chen sind okay – und davon muss ich jetzt in Infor­ma­tik eine neue ler­nen ;)

    Prak­ti­ker bin ich auch! Des­we­gen muss­te es bei mir auch ein dua­les Stu­di­um sein… aber die Pha­se vor den Klau­su­ren has­se ich auch wie die Pest. Aber immer­hin darf ich regel­mä­ßig Berich­te tip­pen ;)

    Lie­be Grü­ße und viel Erfolg in Semes­ter 5!

  2. Bäm. Den let­zen Absatz unter­schrei­be ich so. Rate mal, war­um ich mich aus­ge­rech­net jetzt nach Irland ver­krü­melt habe? Ich sag nur zwei Semes­ter Schon­frist. (Bringt ja nichts, aber nun gut.)

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