Das war also mein zweites Semester.

Das zweite Semes­ter in mei­nem Stu­di­en­gang der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft war wesent­lich anstren­gen­der als das erste. Schuld daran war ver­mut­lich die Pra­xis­ein­heit in unse­rem Metho­den­pro­jekt, in wel­chem wir ler­nen soll­ten, sel­ber eine Stu­die durch­zu­füh­ren: Von der The­men­fin­dung, For­schungs­fra­gen- und Hypo­the­sen­auf­stel­lung über die Stich­pro­ben­zie­hung, den Pre­test bis hin zum Relia­bi­li­tät­scheck und der Ergeb­nis­in­ter­pre­ta­tion.

Praxis-Seminare

In die­ser Grup­pen­ar­beits­phase des Metho­den­pro­jekts habe ich viel gelernt, in ers­ter Linie zum Bei­spiel, dass Grup­pen­ar­beit scheiße ist. So wie ich das mit­be­kom­men habe, hat­ten die wenigs­ten Grup­pen in unse­rem Stu­di­en­gang keine Pro­bleme mit Leu­ten, die bei­spiels­weise kaum anwe­send waren, nichts zur Gruppe bei­ge­tra­gen haben oder auf andere Art und Weise ein­fach anti­so­zial waren.

Ich bin es von der Arbeit her gewohnt gewe­sen, im Team zu arbei­ten, aller­dings sind dort logi­scher­weise auch die Zustän­dig­kei­ten und Auf­ga­ben gere­gelt und man musste nicht stän­dig neu koor­di­nie­ren und sich Gedan­ken machen, wer jetzt was macht und so wei­ter. Zuge­ge­ben war ich des­halb auch work­flow­tech­nisch etwas ver­wöhnt und konnte mir gar nicht vor­stel­len, dass es im Stu­dium Leute gibt, die die Sache nicht Ernst neh­men. Aha­haha. Ich lache immer noch.
Gleich­zei­tig habe ich gelernt, wie per­fek­tio­nis­tisch ich doch bin und sobald alles aus dem Ruder läuft, die Kon­trolle über die Sache behal­ten möchte. Dabei geht es mir gar nicht um meine Note, son­dern darum, dass ein Pro­jekt rund läuft. Wahr­schein­lich auch so eine ekel­hafte Ange­wohn­heit, die ich aus Arbeits­zei­ten mit­ge­nom­men habe, igitt.
Nun, okay, es ist klar, dass sich jemand wie ich, der eben auch wesent­lich älter und erfah­re­ner ist, anders tickt als jemand, der frisch aus der Schule kommt und dass das Rei­bungs­punkte erzeugt. Ich wollte aus die­sem Pro­jekt anfangs auch was total Groß­ar­ti­ges machen, wobei das gar nicht ver­langt war. In Sachen Pra­xis und Team­work muss ich ein­fach zurück­fah­ren. (Klingt doof, ist aber so.)

Auch wenn es wirk­lich eine für mich unan­ge­nehme Grup­pen­ar­beit war, habe ich letzt­lich viel aus die­sem Semi­nar mit­ge­nom­men. Nicht nur zwi­schen­mensch­lich, son­dern auch the­ma­tisch: Da ich alles bes­ser ver­stehe, wenn ich es prak­tisch umsetze, war es eine große Hilfe, eine eigene Stu­die zu ent­wi­ckeln – auch wenn wir uns nur mit der Erhe­bungs­me­thode der Inhalts­ana­lyse beschäf­tig­ten und das alles natür­lich wesent­lich kom­ple­xer ist.
Wir mach­ten Dinge falsch um sie anschlie­ßend rich­tig zu machen. Wir lern­ten Kri­tik zu üben, Fach­be­griffe rich­tig anzu­wen­den und sich auch mit ande­ren For­schungs­pro­jek­ten aus­ein­an­der­zu­set­zen. Das war schön. So wie ich es mit­be­kom­men habe ist es recht rar, schon im zwei­ten Semes­ter mit der Pra­xis zu begin­nen, oft bombt man sich die Theo­rie bis zum Erbre­chen in die Birne und wen­det erst zum Schluss an und hat an die­ser Stelle schon vie­les ver­ges­sen. In »unse­rer« Rei­hen­folge fand ich das durch­aus sehr sinn­voll.

Das andere Pra­xis­se­mi­nar, Jour­na­lis­ti­sche Pra­xis (Print), war eher ein Rein­fall. Das Gute war: Es fand ledig­lich alle zwei Wochen statt. Das Doofe war: Unser Dozent, auch Chef­re­dak­teur einer regio­na­len Tages­zei­tung, gestal­tete die Vor­le­sung nicht so unter­halt­sam, wie es ange­nehm zu ertra­gen gewe­sen wäre. Prin­zi­pi­ell nicht so schlimm – ich möchte auch keine Jour­na­lis­tin wer­den, aber ein Semi­n­arblock geht eben auch viel schnel­ler um, wenn die­ser nicht so träge gestal­tet ist. (Ich weiß, first world pro­blems.) Ich war eigent­lich auch nur anwe­send, weil Anwe­sen­heit Pflicht war.

Prü­fungs­leis­tun­gen waren das Hal­ten eines Refe­rats und das Schrei­ben eines Leit­ar­ti­kels oder einer Repor­tage. Ich ent­schied mich für das Ver­fas­sen einer Repor­tage und es war wesent­lich schwe­rer für mich umzu­set­zen, als gedacht, auch wenn ich unglaub­lich gerne in die Tas­ten haue. Man glaubt ja immer, sobald man einen gera­den Satz schrei­ben kann, ist man fürs Schrei­ben gebo­ren – ver­gisst aber gerne mal, dass die­ses an Regeln geknüpft ist. (An die­ser Stelle noch­mals vie­len Dank an die vie­len Kor­rek­tur­le­ser, allen voran an Rebecca!) An die­ser Stelle möchte ich anmer­ken: Jetzt möchte ich erst recht keine Jour­na­lis­tin mehr wer­den.

Die Vorlesungen

Der Rest des Semes­ters bestand aus drei wei­te­ren Vor­le­sun­gen. Die Ein­füh­rung in die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­po­li­tik der BRD war sehr anspruchs­voll. Wir lern­ten: Was bedeu­tet Kom­mu­ni­ka­ti­ons­po­li­tik (oft auch: Medi­en­po­li­tik) über­haupt? Was bedeu­tet Zen­sur? Was Pres­se­frei­heit? Wie ist der Rund­funk orga­ni­siert? Wie finan­ziert man öffent­li­che Medien? Zudem auch sehr viel Geschicht­li­ches: Die Ent­ste­hung des Rund­funks, wie sich die­ser in Zei­ten der Wei­ma­rer Repu­blik oder im Drit­ten Reich ver­hielt und was für Kon­se­quen­zen dar­aus gezo­gen wur­den, die sich noch bis heute auf unser Medi­en­sys­tem aus­wir­ken.
Abge­se­hen von der The­ma­tik laberte unser Prof auch am lau­fen­den Band, was ich als sehr anstren­gend emp­fand und das Erfas­sen der Inhalte nicht unbe­dingt ein­fa­cher machte. Man musste doch schon sehr oft fil­tern, was jetzt rele­vant war und was nicht; zudem nuschelte er oft am Mikro vor­bei. Die Vor­le­sung war auch mit vier Stun­den am Stück ange­setzt, da platzt einem nach dem gan­zen Geschwalle gerne mal der Schä­del, wenn man sich nicht schon davor geis­tig aus­ge­klinkt hat.

Ein­füh­rung in die Online­kom­mu­ni­ka­tion habe ich anfangs flei­ßig besucht. In der End­phase nicht mehr so, da die Grup­pen­ar­beit wesent­lich mehr zeit­li­che Res­sour­cen fraß, als ange­nom­men. Ich glaube aber, ich habe nichts groß­ar­tig ver­passt.

Die dritte Vor­le­sung war die Ein­füh­rung in die Daten­er­he­bung, die nur aus Gast­vor­trä­gen bestand: Ver­schie­dene Profs oder Dozen­ten der Uni Hohen­heim bzw. auch aus ande­ren Unis stell­ten ver­schie­dene Metho­den zur Daten­er­he­bung vor: The­men waren die Medi­en­re­so­nanz­ana­lyse, die Befra­gung, das Expe­ri­ment, RTR oder die auto­ma­ti­sche Inhalts­ana­lyse. Das war wirk­lich eine tolle und inter­es­sante Reihe, auch wenn die Vor­le­sun­gen unter­schied­li­che Qua­li­tät hat­ten.

Fazit

Ich wollte das Semes­ter so viel anders machen, habe es dann aber doch nicht geschafft: Weder Vor­le­sun­gen vor- noch nach­be­rei­tet, noch regel­mä­ßig wäh­rend des Semes­ters gelernt noch viel gele­sen. Anfangs fand ich auch die Kom­bi­na­tion aus Uni und Arbeit super, letzt­lich hat es mich eher genervt, arbei­ten zu müs­sen, viel lie­ber hätte ich mehr Kram für die Uni erle­digt. Es sind zwar »nur« zwölf Stun­den, aber eben zwölf Stun­den, die mir in der Woche fehl­ten. Dazu kamen noch die Fahrt zur Arbeit und zurück, immer­hin ein­ein­halb Stun­den. (Da hat man dann nach der Uni bzw. Arbeit auch keine große Muse mehr, daheim groß­ar­tig wei­ter­zu­ma­chen.)
Ver­mut­lich auch reine Orga­ni­sa­ti­ons­sa­che, ich muss mir für das dritte Semes­ter über­le­gen, wie ich das alles unter einen Hut bringe. Ins­ge­samt ist das Stu­dium sowieso ein ein­zi­ges Orga­ni­sa­ti­ons­drama.

Rein inhalt­lich kann ich nach die­sem Semes­ter sagen: Ja, wir wer­den ein­deu­tig zu Wis­sen­schaft­lern aus­ge­bil­det. Klar, die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft beschäf­tigt sich sehr stark mit Stu­dien und möchte durch diese auch vor­der­grün­dig das Ver­hal­ten zwi­schen (Massen)medien und Rezi­pi­en­ten erklä­ren. Das spie­gelt sich, zumin­dest im Grund­stu­dium, stark wider.

Was mich sehr glück­lich macht ist, dass ich immer noch merke, dass das Fach das rich­tige für mich war. Es macht sehr viel Spaß und ich bin sehr froh, das Pri­vi­leg zu haben, stu­die­ren zu kön­nen, so viel Neues zu ler­nen, Wis­sen in mich auf­zu­sau­gen und einen neuen Weg ein­zu­schla­gen. Ein­zi­ges Dilemma: Was ich am Ende machen will, weiß ich immer noch nicht genau. Aber es kris­tal­li­siert sich immer mehr her­aus, dass ich nach dem Bachlor noch den Mas­ter dran­hän­gen möchte.

Schwie­rig war immer noch das Ler­nen, was aber in ers­ter Linie auch wie­der eine Sache der Orga­ni­sa­tion und Selbst­dis­zi­plin ist. Das soll sich nächs­tes Semes­ter unbe­dingt ändern. Ich »musste« des­we­gen auch zwei Klau­su­ren auf Okto­ber schie­ben, weil mir die gute Zeit am Ende gefehlt hat (was ich nach Erfah­run­gen im letz­ten Semes­ter ver­mei­den wollte, aber gut). Den Fak­tor Arbeit habe ich zudem nicht bedacht, aber der war ja letz­tes Semes­ter auch nicht vor­han­den.

Ansons­ten kann ich nur sagen: DAFUQ? Schon ein Jahr vor­bei, wie schnell geht das eigent­lich bitte alles rum? Noch ein Semes­ter und dann ist schon die Hälfte des Bache­lor­stu­di­en­gangs rum. Uff. Ja. Also. Läuft.

Des­we­gen auch: auf ein bes­se­res, drit­tes Semes­ter.
Aber jetzt erst mal: Semes­ter­fe­rien.

Das war mein ers­tes Semes­ter.

5 thoughts on “Das war also mein zweites Semester.

  1. Semes­ter­fe­rien… die hätte ich auch gern mal wie­der :D Am bes­ten gefällt mir, dass dir das Stu­dium so zusagt und du für dich weißt, dass es das rich­tige ist. Das allein ist mega viel wert! Spä­tes­tens im Mas­ter wer­den die Grup­pen­ar­bei­ten übri­gens bes­ser, weil die Leute dann auch che­cken, dass man mal was machen müsste… und im Beruf ja sowieso, aber das weißt du ja :D

  2. Ach ja, die lie­ben lie­ben Grup­pen­ar­bei­ten <3

    Hast ja jetzt Zeit Kraft zu tan­ken für die nächs­ten Grup­pen­ar­bei­ten (Das mach ich gerade näm­lich auch…)

  3. Links im Auf­klapp­menü bei »Per­sön­lich« steht bei mir 

    ERFAHRUNGSBERICH
    T

    Falls du das ändern wol­len soll­test ;)
    MacBook Pro benutze ich, falls rele­vant.

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