Dinge, die ich tue, wenn ich sturmfrei habe.

Seit etwa ein­ein­hab Jah­ren woh­nen der Mann und ich nun schon so rich­tig zusam­men, wie mein Vater sagen wür­de, »in einem schlam­pi­gen Ver­hält­nis«. Wir haben uns bis jetzt weder die Bir­ne ein­ge­kloppt, noch uns andau­ernd ange­schrien. Ich den­ke, das ist ein ganz gutes Zei­chen dafür, dass das alles geklappt hat.

Trotz­dem ist es eben meis­tens so, dass man fast nie allei­ne Zuhau­se ist – und auch, wenn man nicht den gan­zen Abend anein­an­der­ge­ket­tet ist, weiß man eben, dass der ande­re da ist. Das ist zwar schön, schön ist es ab und an aber auch, ein kom­plet­tes Wochen­en­de für sich zu haben und das zu machen, wor­auf man Bock hat, ohne auf den ande­ren Rück­sicht neh­men zu müs­sen; mein Tages­rhyth­mus ist ohne den Mann näm­lich ein kom­plett anderer.

Und die­se Chan­ce hat­te ich die letz­ten drei Tage wie­der. Was soll ich sagen: End­lich wie­der Koks und Nutten.

Freitag

Frei­tags bin ich in der Regel län­ger in der Agen­tur: Wein­chen trin­ken, mit Kol­le­gen plau­schen und die Woche in aller Ruhe aus­klin­gen las­sen. So war es auch die­se Woche: Wir haben unse­re Prak­ti­kan­tin ver­ab­schie­det, dies­be­züg­lich dann noch den Cham­pa­gner auf­ge­macht und angestoßen.
Anschlie­ßend bin ich nach Hau­se, und zwar kurz nach acht. Wäre der Mann Zuhau­se gewe­sen, wäre er mit Sicher­heit stolz auf mich, aber es war ja kei­ner da, des­halb habe ich mir ein­fach was beim Inder bestellt.

Wenn ich allei­ne bin, mache ich es mir in unse­rem Gäs­te­zim­mer bequem: Auf 96 Qua­drat­me­tern füh­le ich mich allei­ne total ver­lo­ren. Ich mag das Gäs­te­zim­mer, da es eben alles hat, das ich brau­che: einen Schreib­tisch und eine Gäs­te­couch. Und dort blei­be ich meis­tens dann auch das gan­ze Wochen­en­de und bewe­ge mich zwi­schen eben die­sem Zim­mer, Bad und Küche hin und her, wie so ein Stu­dent im Delirium.

An die­sem Abend habe ich mir einen Film aus­ge­sucht; dafür brau­che ich meis­tens gefühl­te hun­dert Jah­re, da ich mich nie ent­schei­den kann, was ich eigent­lich schau­en will. Der Mann fin­det, ich hät­te einen abstru­sen Film­ge­schmack, ich fin­de, er hat Recht. Ich schaue immer Fil­me, die sonst kei­ner sehen will, an die­sem Abend Phil­adel­phia. (Ich ste­he auf Dra­men. Ich lie­be sie hart.) Pünkt­lich zur Film­aus­wahl kam dann auch das Essen und das Wochen­en­de konn­te beginnen.

Samstag

Am Wochen­en­de schla­fe ich grund­sätz­lich aus, und das bedeu­tet bis min­des­tens halb zwölf – wenn der Mann da ist, schmeißt er mich schon frü­her aus dem Bett, da er zu der Grup­pe der Früh­auf­ste­her gehört (narf!). Meis­tens faselt er Din­ge wie: »Steh auf, sonst hast Du nichts mehr vom Tag!«, was mich im Win­ter rela­tiv wenig beein­druckt; jetzt, im Früh­ling, wenn die Son­ne so schön scheint, dann aber doch aus der Kis­te lockt.

Dann gehe ich erst mal duschen, denn mit kur­zen, am Vor­tag mit Wachs gestyl­ten Haa­ren sieht man nach dem Auf­ste­hen grund­sätz­lich total bekloppt aus, und ein biss­chen Scham­ge­fühl besit­ze selbst ich noch, auch wenn ich ger­ne öfters mal in Jog­ging­ho­se zur Tan­ke gegen­über gehe und Eis­tee kau­fe. Okay, manch­mal zie­he ich mir auch nur eine Müt­ze über. Das sieht dann zwar auch bekloppt aus, aber eben nur weni­ger bekloppt. Dann dre­he ich eine Mor­gen­run­de mit Mop­si und begeg­ne meis­tens kei­nem Men­schen und fra­ge mich, wie­so ich unter Schmerz und Stress eigent­lich geduscht habe.

Meine treue Wochenendbegleitung: Mopsi.
Mei­ne treue Wochen­end­be­glei­tung: Mopsi.

Klas­sisch früh­stü­cken mache ich am Wochen­en­de, wenn ich allei­ne bin, eigent­lich nicht, da ich so spät auf­ste­he, so dass ich direkt zum Mit­tag­essen über­ge­he (aha­ha). Ich mag Früh­stück auch nicht beson­ders – außer es gibt Pan­cakes. Für Pan­cakes hat mir aber der gan­ze Zuta­ten-Kram gefehlt, des­halb gab es gleich Mit­tag­essen, in mei­nem Fall die letz­ten Res­te der Lin­sen­sup­pe. In der Küche roch es dank lee­rem Ver­pa­ckungs­kram vom Vor­tag eh noch wie in einem indi­schem Restau­rant, die Lin­sen­sup­pe pass­te zu dem Mor­gen in der Küche wie die Faust aufs Auge.

Meis­tens gehe ich Sams­tag­abend eigent­lich mit Freun­den aus, die­ses Wochen­en­de dach­te ich aber an mei­nen lee­ren Geld­beu­tel, wein­te kurz und blieb Zuhau­se, kei­ne Ahnung, woher die­se plötz­li­che Ver­nunft her­kam. Ich las, schau­te ein paar Fol­gen mei­ner gera­de lau­fen­den Seri­en, hör­te Musik und ging spät ins Bett. Im Nachhein­ein war es über­ra­schen­der­wei­se einer mei­ner bes­ten Aben­de mit mir selbst ever.

Sonntag

Sonn­tag ist bei mir dann eher der akti­ve­re Tag: Nach dem übli­chen Pro­ce­de­re wie Gas­si gehen, duschen und »früh­stü­cken« (ich habe mir spon­tan Süß­kar­tof­fel­pom­mes und selbst­ge­mach­te Gua­ca­mo­le gegönnt) habe ich mich ein, zwei Stun­den dem Woh­nungs­putz hin­ge­ge­ben. Dann mach­te ich einen Mit­tag­schlaf. Und dann kam der Mann auch schon nach Hau­se und ich hab nicht mal rich­tig auf die Kacke gehau­en – statt­des­sen sogar noch das Bad und die Toi­let­te geputzt, schlimm.

Gene­rell fin­de ich, sind Wochen­en­den viel zu kurz und schnell vor­bei. Aber die nächs­ten sturm­frei­en Tag kom­men wie­der. Und bis dahin genie­ße ich unse­re vor­ehe­li­che Zweisamkeit.

4 Comments

  1. An so einem Wochen­en­de merkt man doch eigent­lich ganz gut, dass einen der Part­ner wenig ein­engt -> sonst wür­de man ver­mut­lich ordent­lich fei­ern gehen & tau­send Freun­de treffen :)

    • Jenny

      Ach, das ist bei mir mal so, mal so. :) Das Wich­tigs­te ist wahr­schein­lich, dass man mit sich ganz allei­ne im Fall der Fäl­le klar­kommt, das kann schließ­lich auch nicht jeder.

  2. Ha! :D Dan­ke schön! Da freu ich mich sehr :D mehr out­fits höhö ok, wozu geh ich auch sonst immer so flei­ßig shop­pen? Brauch ich nur jeman­den, der die Bil­der von mir macht!

    Wir sagen bei uns zu sturm­frei immer frei-frei. Das bedeu­tet man hat frei UND der part­ner ist nicht zu Hau­se ( na ja sturm­frei halt… guten Mor­gen) – wenn ich frei-frei hab, dann gam­mel ich den gan­zen tag vorm PC und gucke alle mei­ne 100 seri­en mal durch :D

  3. Jetzt weiß ich, wo ich Klin­gel­strei­che machen kann!

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