Ein paar Tipps für »mehr« veganes Essen im Alltag.

Oft wer­de ich gefragt, wie man dies und das ersetzt oder jenes Gericht vegan zube­rei­tet und manch­mal höre ich auch raus, dass der Mensch an sich gar nicht so abge­schreckt ist von vega­nem Essen, die meis­ten nur nicht wis­sen, was und wie sie damit anfan­gen sollen.
Gera­de jetzt in der Fas­ten­zeit pro­bie­ren sich vie­le an einer fleisch­lo­sen oder gar tier­pro­dukt­frei­en Lebens­wei­se aus, las­sen es aber schnell wie­der, weil dahin­ter eben doch mehr steckt, als »was wegzulassen«.

Es gibt vie­le Grün­de, wes­halb sich Men­schen für eine vega­ne Lebens­wei­se inter­es­sie­ren, die wenigs­ten Vega­ner, die ich ken­ne, haben sich jedoch für eine radi­ka­le Umstel­lung ent­schie­den, schät­zungs­wei­se gehen die meis­ten den Weg über den Vegetarismus.
Wer sich den­noch dafür inter­es­siert, vega­ne Ernäh­rung nach eige­nem Ermes­sen in den All­tag zu inte­grie­ren hat es gar nicht so schwer. Und weil ich den­sel­ben Weg gegan­gen bin, möch­te ich den­je­ni­gen ein paar Tipps mit auf den Weg geben, qua­si für »mehr« vega­nes Essen im Alltag.

1. Der Wille muss da sein

Etwas erfolg­reich zu tun, weil man sich spon­tan »ein­fach mal aus­pro­bie­ren möch­te«, ist viel schwe­rer, als wenn man sich bewusst dafür ent­schei­det – logi­scher­wei­se. (Außer man hat einen außer­or­dent­li­chen Hang zum Per­fek­tio­nis­mus oder ein krass stol­zes Ego.) Fakt ist: Wer vega­nes Essen mehr in sein Leben ein­baut, weil er voll dahin­ter steht, wird damit mehr Erfolg haben als jemand, der es sich »ein­fach zum Spaß« vornimmt.

2. Sich mit der Materie vertraut machen.

Wer sich das Ziel setzt, sich eine län­ge­re Zeit vegan zu ernäh­ren, soll­te sich mit der Mate­rie ver­traut machen: Man glaubt gar nicht, in wel­chen Lebens­mit­teln tie­ri­sche Pro­duk­te ste­cken, von Chips bis hin zu Kro­ket­ten oder Gum­mi­bär­chen ist da alles dabei. Wer »ein­fach so ein­kau­fen geht« läuft in Gefahr, depri­miert nach Hau­se zu kom­men, weil sich auf die Schnel­le nicht viel fin­den lässt.
Tipp: Ein­fach mal ein biss­chen im nächs­ten Bio-Laden stö­bern, dort fin­det man gleich­zei­tig auch vie­le vega­ne Alter­na­ti­ven oder gene­rell vega­ne Pro­duk­te – außer­dem sind die Mit­ar­bei­ter dort oft mit der vega­nen Ernäh­rungs­wei­se ver­traut und kön­nen einem weiterhelfen.

3. Einen Rahmenplan schaffen.

Wahr­schein­lich der wich­tigs­te Punkt: Jeder Mensch is(s)t anders und geht unter­schied­lich mit Din­gen um, des­halb ist es wich­tig, dass man für sich selbst defi­niert, was zu schaf­fen ist und was nicht. 

Wer ger­ne kocht, könn­te sich zum Bei­spiel zum Ziel set­zen, an bestimm­ten Tagen oder Zuhau­se gene­rell kon­se­quent vegan zu essen. Hier könn­te man Tage defi­nie­ren, an wel­chen Tagen man sich vegan ernäh­ren möch­te – zum Bei­spiel ein Mal in der Woche, jeden Mit­tag, immer zu Abend, und so wei­ter. Und wenn es klappt, kann man das belie­big auf meh­re­re Tage oder Mahl­zei­ten ausweiten.

Leu­te, die gene­rell unger­ne kochen und lie­ber außer­halb essen als Zuhau­se kann es eben­so schwer wer­den, weil die vega­ne Essens­aus­wahl nicht immer der abso­lu­te Over­kill ist. Hier kann man eben­so über­le­gen, ob man sich an bestimm­ten Tagen vegan ernäh­ren möch­te, und an die­sen Tagen auch eher Loka­le aus­wäh­len, die es einem nicht so schwer machen, auch dabei zu blei­ben – ganz gut sind hier zum Bei­spiel asia­ti­sche Restau­rants, weil die­se in der Regel kei­ne Milch­pro­duk­te ver­wen­den und man das Fleisch belie­big weg­las­sen oder durch Tofu erset­zen kann.

Wer bewusst mehr selbst kochen möch­te, aber unge­übt ist, könn­te sich auch vor­neh­men, ein Mal in der Woche ein vega­nes Gericht zuzu­be­rei­ten, um sich mit Lebens­mit­teln und ihrer Zube­rei­tung etwas ver­trau­ter zu machen: Rezep­te gibt es ja inzwi­schen zuhauf. Hier muss man wahr­schein­lich ein biss­chen aus sei­ner kuli­na­ri­schen Kom­fort­zo­ne kom­men und her­um­pro­bie­ren; wich­tig ist, dass man ein­fach und klein anfängt und sich bei Bedarf immer mehr stei­gern kann.

4. Nicht zu perfektionistisch sein.

Wenn man fest­stellt, dass einem die defi­nier­ten Zie­le zu hoch sind, soll­te man sie ein­fach run­ter­schrau­ben. Sich zu etwas zwin­gen, das man nicht möch­te, macht über­haupt kei­nen Sinn, geschwei­ge denn Spaß (und ich spre­che da erst aus kürz­li­cher Erfah­rung). Kei­ner reißt einem den Kopf ab, wenn man mal »schei­tert« – wich­tig ist ein­fach nur, dass man sich immer wie­der aufrafft.

5. Dazu stehen.

Tat­säch­lich eines der schwie­ri­ge­ren Unter­fan­gen: Vie­le kön­nen es über­haupt nicht nach­voll­zie­hen, war­um man vegan isst – trotz allem: Fangt nicht an, ande­re mit Gewalt über­zeu­gen zu wol­len, Vega­nis­mus ist tat­säch­lich ein sehr emo­tio­na­les The­ma, nicht nur für die­je­ni­gen, die es tun.
Mit der Zeit fin­det man recht schnell her­aus, wer auf Kon­fron­ta­ti­on aus ist oder ech­tes Inter­es­se hat; und dar­aus ent­wi­ckeln sich dann oft auch wirk­lich inter­es­san­te Gesprä­che. Basis für ein Gespräch (ohne sich am Ende anzu­brül­len oder wütend zu wer­den) ist meist höf­lich und sach­lich zu bleiben.

Ich hof­fe, ich konn­te mit die­sem Arti­kel viel­leicht einen klei­nen Anreiz schaf­fen – und wer wei­te­re Fra­gen hat, ist natür­lich immer herz­lich dazu ein­ge­la­den, sie hier zu stellen.

2 Comments

  1. Lou

    Ich bin zwar kein Vega­ner, aber Punkt 3 habe ich trotz­dem in mei­nen All­tag ein­ge­baut. D.h ich ver­su­che zumin­dest einen Tag in der Woche mich vegan zu ernäh­ren. Mal klappt es, mal nicht. Aber wenn es klappt, freu ich mich immer :D

  2. Ich glau­be, Punkt 5 ist im All­tag am aller-aller-allerwichtigsten.
    Ich ant­wor­te auf Fra­gen, ver­su­che es aber ansons­ten unbe­dingt, nicht zu kom­men­tie­ren. Sel­ten rutscht mir doch mal eine Bemer­kung raus, das bereue ich dann sofort.
    Die­se Men­schen die alle ande­ren bekeh­ren wol­len (oft gegen deren erklär­ten Wil­len), haben die öffent­li­che Stim­mung, was das The­ma angeht, nach­hal­tig gestört. Da hat man es dann nicht leicht wenn man ein­fach nur für sich sel­ber sein Ding machen will. Man fällt ja ab und an ein wenig auf. Und sehr oft ver­mu­ten die lie­ben Mit­men­schen, dass man gleich zur Gene­ral­kri­tik ansetzt. Da kommt dann schon mal ein Prä­ven­tiv­schlag auf den man lie­ber ver­zich­tet hätte.

totop