Ich, der »Vegetaner« – ein Update.

Ich schrieb vor lan­ger Zeit einen Bei­trag, was sich alles ver­än­dert hat, seit­dem ich Vega­ner gewor­den bin. Heut möchte ich das mal im Umkehr­schluss tun.

Seit über ein­ein­halb Mona­ten bin ich von der vega­nen Ernäh­rung wie­der zurück auf die vege­ta­ri­sche umge­stie­gen. Vege­ta­risch klingt fast zu ein­fach, schließ­lich ver­su­che ich, wo es geht, wei­ter­hin auf eine vegane Ernäh­rungs- und Lebens­weise zu ach­ten; ich bin quasi das Pen­dant zum Fle­xi­ta­rier – nur auf einer ande­ren Ebene.

Meine Umstel­lung glie­derte sich in drei Pha­sen: Anfangs war ich noch rela­tiv beschei­den, ernährte mich größ­ten­teils vegan, aß ab und an mal aus­wärts nicht-vegane Gerichte, weil ich noch ein zu schlech­tes Gewis­sen hatte, wirk­lich »zwang­frei« und tat­säch­lich wie­der vege­ta­risch zu essen.

Dann kam die Phase, in der ich alles aß, was ich in mei­nem vega­nen Jahr nicht essen konnte: Pizza, Fer­tig­kram, Zeug vom Bäcker, wenn ich aus­wärts unter­wegs war oder bei Freun­den. Diese Phase hatte ich auch, als ich Vega­ner wurde, und alle vega­nen Pro­dukte die­ser Welt in mich rein­schau­felte.

Inzwi­schen habe ich für mich selbst her­aus­ge­fun­den, was ich essen möchte, und was nicht, es hat sich also alles wie­der ein­ge­pen­delt.

Was für mich geht – und was nicht.

Aus­wärts esse ich das, auf was ich Lust habe. Das war ja das, was mich am vega­nen Leben über­wie­gend gestört hat, diese nicht vor­han­dene Fle­xi­bi­li­tät, Essens­neid auf andere (ja, tat­säch­lich!), Gewis­sens­kon­flikte (»Ich hätte Lust dar­auf, aber mora­lisch möchte ich es nicht.«).

Eigent­lich habe ich mir auch gesagt, dass ich Zuhause nur vegan essen möchte; das hat sich mit der Zeit aber erle­digt. Wenn mir was ins Auge springt, das eben nicht-vegane Bestand­teile ent­hält, kaufe ich das auch (meis­tens Käse). Natür­lich wäge ich bei jedem Kauf genü­gend ab und ver­su­che nicht zu über­trei­ben, der Zwang sollte aber auch in mei­nen eige­nen vier Wän­den nicht die Über­hand neh­men.

Was beim alten geblie­ben ist: Joghurt, Milch, Pud­ding, Nutella-Alter­na­ti­ven und Frisch­käse kaufe ich nur noch auf pflanz­li­cher Basis, was damit zusam­men­hängt, dass mir die Vari­an­ten ein­fach total gut schme­cken, ich also keine Abstri­che machen muss und nicht wirk­lich ein­sehe, Geld für Tier­leid aus­zu­ge­ben. Es hat sich inzwi­schen auch ein leich­ter Ekel gegen­über Milch­pro­duk­ten breit­ge­macht: Ich kann ein­fach nichts essen, das aus Milch ist – es ist Mut­ter­milch und allein das schreckt mich schon ab. Die ein­zige Aus­nahme ist Käse – der aber auch ein biss­chen abs­trak­ter als Joghurt, Quark oder Frisch­käse ist. Ich habe zudem noch kei­nen wür­di­gen Käse­er­satz für mich gefun­den, nur Sachen, die ledig­lich »okay« waren.

Kos­me­tik und Kla­mot­ten sind wie­derum ein Thema, das sich erst in den letz­ten Mona­ten bei mir eta­bliert hat: Klei­dung kaufe ich sowieso, bis auf wenige Aus­nah­men, immer Second Hand. Das klingt jetzt ein biss­chen öko, aber der ganze Kram ist teil­weise noch »wie neu«, weil Leute gerne Kram kau­fen und dann nie wie­der anzie­hen. Und natür­lich ver­su­che ich auch hier, mög­lichst auf Leder, Wolle oder gar Tier­pelz zu ver­zich­ten.
In Rich­tung Kos­me­tik achte ich sehr stark dar­auf, tier­ver­suchs­freie und vegane Pro­dukte zu kau­fen, was heut­zu­tage nicht mal mehr schwie­rig ist, kriegt man ja in jedem Dro­ge­rie­markt. Aber so sind die grö­ße­ren Mar­ken erst mal mehr und mehr aus mei­nem kos­me­ti­schen Reper­toire ver­schwun­den – Tier­ver­su­che im Kos­me­tik­be­reich sind für mich abso­lut nicht trag­bar.

Was sich körperlich verändert hat

Eigent­lich nicht viel, außer, dass ich ein biss­chen zuge­nom­men habe – was logisch ist, weil einem mit einem nicht-vega­nen Lebens­stil viel mehr Mög­lich­kei­ten dar­ge­bo­ten wer­den: Süßig­kei­ten, Gebäck, Fer­tig­ge­richte, aus­wärts essen an einem Imbiss­stand und so wei­ter – zudem war mein vega­ner Lebens­stil meist nicht so fett­hal­tig wie jetzt. Das ist aber okay, ein paar Kilo mehr auf den Rip­pen kann ich ganz gut ver­tra­gen.
Außer­dem habe ich mich dabei erwischt, nicht mehr ganz so gesund zu essen, was wie­derum auch logisch ist, weil die Mög­lich­keit mal »eben schnell« was zu essen prä­sen­ter ist. Zudem ver­än­dert sich für uns auch viel: Beruf, Hoch­zeit, Umzug. Das bringt tat­säch­lich etwas Stress mit sich, so dass wir abends gerade weni­ger Lust haben, für uns zu kochen. Ich denke, wenn sich alles wie­der ein­ge­pen­delt und nor­ma­li­siert hat, wird sich das auch wie­der legen und hat wahr­schein­lich auch ins­ge­samt weni­ger mit mei­nem Ernäh­rungs­stil zu tun.

Mit die­sem »Zwi­schen­ding« fahre ich inzwi­schen ganz gut, ein­fach, weil ich für mich die­ses ganze »Essens­ding« durch defi­niert habe – und kann sozu­sa­gen ein Leben füh­ren, so, wie ich es am bes­ten kann. Für mich – und natür­lich auch für die Tiere, die Umwelt und die Welt an sich.

8 thoughts on “Ich, der »Vegetaner« – ein Update.

  1. Ich finde Vege­ta­ner aber auch keine schlechte Bezeich­nung! :D
    Es geht mir ähn­lich wie dir. Ich bin nicht kom­plett vegan, aber eben auch nicht »nur« vege­ta­risch. Milch, Quark, Eier und das ganze Zeugs mag ich gar nicht mehr, aber bei Käse sieht die Sache immer ein wenig anders aus, genauso bei Back­wa­ren (Kekse, Crois­sants…). Da werd ich schwach!

  2. »der vege­ta­ner«? der jenny(?)

    Will­kom­men bei den Teilzeitvegetarier/Teilzeitveganern. Essen auch das Gemüse auf dem Tel­ler.

    –tb

  3. Käse ist das ein­zige, was ich wirk­lich ver­misse.
    Alle ande­ren tie­ri­schen Pro­dukte kann ich weg­las­sen ohne mit der Wim­per zu zucken oder habe guten Ersatz gefun­den. Wobei ich, wenn ich’s recht bedenke, kaum ersetze. Ganz sel­ten beim kochen mal Soja­dings als Sahneer­satz und zuletzt ent­deckt: Scho­ko­lade mit Reis­milch. Schmeckt tat­säch­lich sehr, sehr viel bes­ser als ’nor­male’ Voll­milch­schoki.

    Aber Käse…ach…ich werde immer ganz zitt­rig wenn ich im Rewe an dem glä­ser­nen Kühl­ka­bäu­schen in dem sie die gan­zen Laibe lagern, vor­bei­gehe…

    Dass du kei­nen pas­sen­den Ersatz für Käse gefun­den hast liegt ver­mut­lich daran, dass es kei­nen gibt. Das ist jeden­falls meine Erfah­rung. Was es auf dem Markt gibt, hat oft wenig mit dem Geschmack, dem Geruch und der hap­ti­schen Erfah­rung von Käse zu tun. Ich denke, damit muss man sich letzt­end­lich ein­fach abfin­den.

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