Ich, der »Vegetaner«.

Leckere Antipastiplatte

Seit län­ge­rem hade­re ich mit mir und dem Vegan­sein. Nicht, weil ich davon nicht mehr über­zeugt bin; ganz im Gegen­teil. Genau das macht es mir schwer zu sagen: »Ich habe kei­nen Bock mehr auf den gan­zen Scheiß, ich wer­de ein­fach wie­der Vegetarier.«

Prin­zi­pi­ell ging das Vega­nes­sen auch ein­fach in mich über und das ist auch noch so. Zuhau­se ist das alles kein The­ma, da kochen wir sel­ber und alles ist tut­ti­frut­ti. Aber aus­wärts lei­de ich gera­de (expo­nen­ti­ell stei­gend), eben, weil ich ger­ne aus­wärts esse und stän­dig ein­ge­schränkt wer­de, in dem, was ich essen möch­te. Wo ich am Anfang dach­te, man kann ja alles pri­ma irgend­wie erset­zen, weg­las­sen oder eben vari­ie­ren, bin ich inzwi­schen sicht­lich genervt.

Nun ist es ja nicht so, als hät­te ich das nicht schon vor­her gewusst. Und es ist ja auch nicht so, als könn­te man sich dar­auf nicht vor­be­rei­ten. Und es ist auch nicht so, als wür­de ich dazu gezwungen.
Genau das dach­te ich jüngst auch und erklär­te dem Mann, dass ich jetzt Brot und Camem­bert essen wer­de, ein­fach weil ich Lust dar­auf habe und weil ich es kann. Der Mann hob arg­wöh­nisch eine Augen­braue, kom­men­tier­te mein State­ment aber nicht weiter.

Ob es geschmeckt hat? Ja, köstlich.
Ob es Genuss war? Eher so nicht.

Ich den­ke über die­se gan­ze The­ma­tik schon seit län­ge­rer Zeit nach, und ich schrieb ja auch schon mal über mei­nen Per­fek­tio­nis­mus, der mir in die­ser Hin­sicht einen sicht­li­chen Strich durch die Rech­nung macht, also emotional. 

Mein Moral­emp­fin­den spielt gegen mei­nen Genuss. Es ist blöd, wenn man isst, was man möch­te, es aber nicht schmeckt, weil man weiß, dass es nach den eige­nen defi­nier­ten Maß­stä­ben eigent­lich falsch ist. Ja, das machen da drau­ßen sehr vie­le Men­schen, schließ­lich fin­den die meis­ten Mas­sen­tier­hal­tung auch schei­ße und essen Fleisch. Ich aber habe mir die­sen Maß­stab so hoch gesteckt, dass es mir im Moment ein­fach nicht mög­lich ist, dar­über hin­weg­zu­se­hen und ohne schlech­tes Gewis­sen zu genießen.

Hin­zu kommt, dass ich allei­ne daste­he: Ich ken­ne in mei­nem Umkreis viel­leicht zwei Vege­ta­ri­er, Vega­ner über­haupt kei­ne – und so strugg­le ich mich mit mei­nen Gewis­sens­bis­sen durch den Tag und alle den­ken, ich hab ein Rad ab. Folg­lich kön­nen echt weni­ge damit was anfan­gen und des­halb kann ich auch kei­ne groß­ar­ti­ge Unter­stüt­zung oder zumin­dest Ver­ständ­nis erwar­ten; oder gar ein Nach­emp­fin­den auf Basis eige­ner Erfah­run­gen. Das ist scha­de, aber eben nicht zu ändern.

Der vegane Burger
Vega­ner Bur­ger. Lecker, aber nach dem hun­der­s­ten Mal auch etwas öde.

So what?

Ein Freund mein­te zu die­ser The­ma­tik bei­läu­fig, dass er auch mehr Teil­zeit-Vega­ner als Vega­ner selbst ken­ne, die halt mal Fisch oder Fleisch essen. Per se sind das für mich aber eben kei­ne Vega­ner mehr, bes­ten­falls Vege­ta­ri­er oder eben Omni­vo­re. Bei den Begriff­lich­kei­ten neh­me ich es doch dann schon sehr genau, obgleich ich das nicht jedem beim Gespräch auf die Nase binde.

Ich ver­su­che für mich gera­de einen geeig­ne­ten Mit­tel­weg zu fin­den, der mei­nen eige­nen Maß­stä­ben genügt, aber auch mei­nem Moral­emp­fin­den nicht unbe­dingt im Weg steht. Das bedeu­tet für mich zur Zeit, dass ich aus­wärts auch mal vege­ta­risch esse, wenn ich das möch­te, denn hier füh­le ich mich am meis­ten ein­ge­schränkt. Zu Hau­se koche ich wei­ter­hin vegan und natür­lich nut­ze ich auch wei­ter­hin pflanz­li­che Pen­dants zu Milch oder Sah­ne, wenn wir kochen. Dort ist es für mich sowie­so nicht gerecht­fer­tigt, »vege­ta­risch« zu essen, daher nach wie vor ein No-Go.

Ich nen­ne mich zur Zeit lie­be­voll einen Vege­ta­ner, also eine Mischung zwi­schen Vege­ta­ri­er und Vega­ner; qua­si ein fort­ge­schrit­te­ner Fle­xi­ta­ri­er. Ich füh­le mich so ganz okay. Nicht per­fekt, aber okay. Ich weiß noch nicht, wohin mich die­ser Weg füh­ren wird, aber seit­dem ich für mich kla­re Regeln auf­ge­stellt habe, geht es mir so viel besser.

18 Comments

  1. Bonnie

    Ich habe mal was von dem Begriff »che­gan« gele­sen. Ein »chea­ting« vegan, der über­wie­gend vegan isst, vor allem auch zu Hau­se, aber manch­mal dann doch tie­risch isst – Vor allem Scho­ko­la­de und Piz­za. Der beg ff ist zwar vom »Erfin­der« nega­tiv gemeint, fin­de ihn aber trotz­dem ganz cool um genau sowas aus­zu­drü­cken. Mich nervt die­ser Appe­tit auf etwas, was ich eigent­lich nicht will, unge­mein :< i feel you! Ich glau­be, vie­le haben die­sen Zwie­spalt, Vor­al­lem, wenn einem dann immer wie­der etwas vor­ge­ges­sen wird von ande­ren, weil das Umfeld eben nicht vegan ist, von dem man meint, sich erin­nern zu kön­nen, dass es doch soooo gut war. Oder es riecht so gut. Oder man hat ein­fach plötz­lich die­se Lust drauf.
    Ich habe auch schon oft gedacht: Scheiss drauf, ich werd wie­der Vege­ta­ri­er. Aber weder kann, noch will ich das eigent­lich, genau wie du.
    Ob man da sie über­win­det? :/

    • Jenny

      Ah, lus­tig. Nach so einem Begriff habe ich gesucht, aber wenn man nicht weiß, nach was man suchen soll, fin­det man natür­lich auch nicht.

      Ob man das über­win­det? Kommt wahr­schein­lich dar­auf an, was einen selbst dar­an hin­dert. Gäbe es über­all genü­gend Aus­wahl, wäre es für mich sicher­lich kein Pro­blem mehr.

      Aber schön, dass mich einer versteht. :)

  2. Mir hilft sehr, dass ich recht erfolg­reich ver­su­che, das Wort ’eigent­lich’ aus mei­nem Sprach- und Denk­ge­brauch zu verbannen.
    Das gibt es näm­lich fak­tisch nicht.
    »Eigent­lich esse ich kein Fleisch.« – Außer dem Steak, das da grad auf dem Tel­ler liegt.
    »Eigent­lich fah­re ich nicht wenn ich getrun­ken habe.« – Außer heu­te, wo ich mich auch mit drei Bier durch­aus noch in der Lage dazu fühle.
    »Eigent­lich mache ich viel Sport.« – Außer im letz­ten hal­ben Jahr, wo ich so ein biss­chen faul war.

    Eigent­lich, eigent­lich, eigentlich.
    Die­ses Wort dis­qua­li­fi­ziert die Aus­sa­ge, die damit in Ver­bin­dung steht.
    Genau wie ’aber’.
    »Ich stim­me dir voll und ganz zu, aber eini­ge Punk­te hät­te ich noch anzu­mer­ken…« – Das ’aber’ dis­qua­li­fi­ziert hier alles, was davor steht.

    »[…] dass es nach den eige­nen defi­nier­ten Maß­stä­ben eigent­lich falsch ist […]«
    Ist es nun falsch oder nicht? Dazwi­schen gibt es nichts. Schwarz oder weiß – grau kommt hier nicht vor.
    Wenn man nun ’eigent­lich’ ent­fernt bleibt übrig, dass es falsch ist.

    Das Pro­blem mit dem aus­wärts Essen ken­ne ich nur zu gut.
    Für mich ist die Lösung, mich einer­seits hart ein­zu­schrän­ken (jedoch nicht im Genuss – es gibt groß­ar­ti­ge und unfass­bar lecke­re vega­ne Sachen), mich jedoch ande­rer­seits nicht über Gebühr zu knechten.
    Das mit dem Ein­schrän­ken funk­tio­niert inso­fern ganz gut, als dass mei­ne Moti­va­ti­on pri­mär in mei­ner Gesund­heit liegt.
    »The Chi­na Stu­dy« von T. Col­lin Camp­bell, »Essen gegen Herz­in­farkt« von Cald­well B. Essels­tyn sei­en nur exem­pla­risch für eine Viel­zahl von ähn­li­chen Publi­ka­tio­nen ange­führt. Stark ver­ein­facht gehen eine Men­ge Wis­sen­schaft­ler aus einer Viel­zahl von Grün­den davon aus, dass tie­ri­sches Pro­te­in und gene­rell (auch Pflanzen-)Fette (in mehr oder weni­ger grö­ße­ren Men­gen) der mensch­li­chen Gesund­heit nicht zuträg­lich sind. Im Sin­ne von: Stark abträglich.
    Die­se gan­ze Kacke mit der Tier­hal­tung und was da alles gro­tesk schief läuft, betrach­te ich als einen sehr posi­ti­ven Neben­ef­fekt. Ich neh­me durch mei­ne Ver­mei­dung von tie­ri­schen Pro­te­inen qua­si neben­bei mit, dass das alles nicht mehr in mei­nem Namen pas­siert. Aber es fin­det sich wie gesagt frü­hes­tens an zwei­ter Stel­le mei­ner Motivationsliste.

    Wor­auf das hin­aus­läuft: Bei aller Tier­lie­be ist mir mein eige­ner Kör­per noch immer näher als irgend­ein Tier. Ich tue mir sel­ber direkt und unmit­tel­bar kei­nen Gefal­len, wenn ich tie­ri­sche Pro­te­ine kon­su­mie­re. Das ist für mich ein deut­lich stär­ke­rer Anreiz zu ver­zich­ten, als jede abs­trak­te weil unsicht­ba­re Tier­hal­tung, -quä­le­rei und -schlachtung.
    Und solan­ge die­se Gesell­schaft ganz ein­deu­tig indus­tri­ell auf Fleisch­pro­duk­ti­on und -ver­zehr aus­ge­rich­tet ist, ist es genau das: Verzicht.
    Da gibt’s nichts schön­zu­re­den. Vege­ta­ri­sche Gerich­te sind inzwi­schen ja leid­lich ver­brei­tet auf den meis­ten Spei­se­kar­ten. Das macht man eben so.
    Vegan ist längst nicht so weit. Heißt für mich: Ich wäh­le aus weni­gen Gerich­ten das aus, das mut­maß­lich am wenigs­ten Milch­pro­duk­te ent­hält (Fleisch in jeder Form ist schon lan­ge gene­rell voll­stän­dig von mei­nem Spei­se­plan ver­schwun­den. Ganz ohne ’eigent­lich’.) und/oder sage an, was geän­dert wer­den soll.
    Z.B. kein Feta im Salat, Dres­sing bit­te nicht aus Joghurt, son­dern auf Essig-Öl-Basis aber mit wenig Öl bit­te­dan­ke und so weiter.

    Manch­mal kann oder will ich das aber wie­der­um auch nicht. Wenn etwas ganz sicher nicht schme­cken wird, wenn da nicht die­se oder jene Zutat aus Mol­ke­rei­pro­duk­ten dabei ist – dann knech­te ich mich auch nicht.
    Das pas­siert sel­ten. Sehr sel­ten, und es wird immer sel­te­ner – aber es passiert.
    Des­halb habe ich für mich auch kei­ne Regel die besagt, dass ich kei­ner­lei Mol­ke­rei­pro­duk­te esse. So eine Regel wür­de ich zwangs­läu­fig hin und wie­der bre­chen müs­sen. Und das mit den, die Regel bestä­ti­gen­den Aus­nah­men ist blo­ße Schönfärberei.
    Mein Anspruch ist, zu ver­zich­ten. Und zwar so sehr und so weit, wie es geht. Ohne Regeln, ohne Aus­nah­men, ohne ’eigent­lich’.
    Und ganz wich­tig: Ohne schlech­tes Gewis­sen und Selbstvorwürfe.
    Im Gegen­teil ist es eher eine Art Ansporn: Wie wenig tie­ri­sches Pro­te­in kann es sein?! Heu­te kann es weni­ger wer­den als ges­tern. Ich kann das besser…!

    • Jenny

      Ich glau­be, wel­che Moti­va­ti­on es nun ist, auf tie­ri­sche Pro­duk­te zu ver­zich­ten, ist eigent­lich egal. Denn wenn man davon über­zeugt ist, geht es eben genau dar­um, aus die­sem Grund nicht dar­auf zu ver­sto­ßen. Für Dich ist Gesund­heit der Grund, für mich in ers­ter Linie die Ethik; jeder gewich­tet da ja anders. Klar, wenn einem eher die Gesund­heit am Her­zen liegt, hat man even­tu­ell ein wenig »schlech­te­res Gewis­sen«, weil es pri­mär nicht um Ethik oder Moral geht. Aber man denkt halt even­tu­ell dar­über nach, inwie­fern es mei­nen Kör­per nun nega­tiv beeinträchtigt.

      (Vie­le rau­chen, obwohl sie es nicht soll­ten oder schon ein Bein ampu­tiert bekom­men haben. Vie­le essen trotz Lak­to­se­into­le­ranz noch Milch­pro­duk­te. Gesund­heit geht vie­len eben auch nicht über Genuss.)

      Fleisch kommt mir kei­nes­falls mehr auf den Tel­ler. Ohne eigentlich.

    • Man kann sowohl »eigent­lich« als auch »aber« rich­tig oder falsch benutzen.

      Zwei Bei­spie­le:
      – Eigent­lich schla­fe ich mor­gens ger­ne aus, aber heu­te ste­he ich aus­nahms­wei­se mal frü­her auf.
      – Ich fin­de Cock­tails sehr lecker, aber lei­der sind sie auch teuer.

      Da wider­spricht sich nichts.

      Wenn ich natür­lich sage, dass ich voll und ganz zustim­me, passt ein »aber« danach nicht mehr. Da kann aber das Wort nichts für, das liegt an der Per­son, die es falsch verwendet.

    • Selbst­ver­ständ­lich kann man es auch rich­tig benutzen.
      Das pas­siert aller­dings ins­be­son­de­re bei ’eigent­lich’ fak­tisch nicht.
      Die Men­schen ach­ten immer weni­ger auf das, was sie sagen. Bzw. die Lücke zwi­schen dem was gemeint und dem was gesagt wird, wird immer größer.
      Hier im Kon­text geht es mir ledig­lich dar­um, sich des eige­nen Anspru­ches bewusst zu wer­den und sich nicht von vorn­her­ein gol­de­ne Brü­cken für Aus­nah­men zu bau­en. For­mu­lie­run­gen mit »Eigentlich…aber…« schrei­en gera­de­zu danach, durch sie ’aus­nahms­wei­se’ mal irgend­was zu legitimieren.
      Eine (auch und gera­de selbst­auf­ge­stell­te) Regel, die ’eigent­lich’ immer gilt, aber ab und zu eben nicht ist unernst. Dann ist ist es kei­ne Regel son­dern ein guter Vor­satz o.ä.
      Aber dann soll­te man es auch so nen­nen um sich nicht sel­ber (in unbe­strit­ten bes­ten Absich­ten!) zu täuschen.

      (Ich bin beruf­lich moti­viert ein wenig Speech-Nazi – des­we­gen bit­te ich, mir aus mei­nem Behar­ren auf sol­che sprach­li­chen Fein­hei­ten kei­nen Strick zu dre­hen… ;) )

    • Die Men­schen ach­ten immer weni­ger auf das, was sie sagen. Bzw. die Lücke zwi­schen dem was gemeint und dem was gesagt wird, wird immer größer.

      Vol­le Zustim­mung. Grauenhaft.

      P.S.: Ich hab lei­der kei­ne beruf­li­che Aus­re­de dafür. ;-)

  3. Für mich wäre ent­schei­den, wel­cher Grund dahin­ter steht, wes­we­gen ich mich so und so ernähre.

    Ist es, weil Tie­re leiden?
    Ist es, wegen der Nachhaltigkeit?
    Ist es, weil es für mich gesün­der ist?

    Ich weiß, dass ich mei­ne Ernäh­rung ändern soll­te, wegen den Blutwerten.
    Du weißt, dass dein Blut­bild in Ord­nung ist.
    Ich weiß, dass sobald eine Indus­trie hin­ter irgend­was steht und Ange­bot und Nach­fra­ge zusam­men kom­men, die Nach­hal­tig­keit dar­un­ter leidet.
    Ich den­ke, das weißt du auch.
    Das Schlach­ten der Tie­re ist rela­tiv human und führt zum schnel­len Tod. Der Weg bis zur Schlacht­rei­fe ist meist aber eher Quä­le­rei. Jedoch gibt er Markt schon ent­spre­chen­de Pro­duk­te her, die eine gewis­se tier­freund­li­che Hal­tung versprechen. 

    Den inne­ren Kon­flikt muss man mit sich selbst aushadern.
    Ich – als Omni – sage: nur Gutes Fleisch. D.h.: Ich wer­de mich infor­mie­ren woher das Fleisch kommt und wie die Tie­re gehal­ten wor­den sind…

    • Jenny

      Ich den­ke, das ist das Pro­blem. Ethik ist für mich der Grund und eben schon was viel Emo­tio­na­le­res als z. B. die Umwelt. Und des­halb fällt es mir sehr schwer.

    • Man soll­te sich aber schon mal fra­gen, ob der Mensch über­haupt Tie­re töten muss.
      Völ­lig egal ob sie ein glück­li­ches Leben hat­ten und grü­nes Gras kau­end über Berg­wie­sen getrot­tet sind. Was fak­tisch nicht der Fall ist. So etwas wie eine ’gute’ Nutz­tier­hal­tung gibt es nahe­zu nicht.
      Und selbst wenn die Tie­re nach irgend­wel­chen Maß­stä­ben ange­mes­sen glück­lich leben – sie wer­den am Ende aus nie­de­ren Beweg­grün­den getö­tet. Näm­lich zur Befrie­di­gung von ernäh­rungs­tech­ni­schen Gelüs­ten. Mir ist nicht klar, wie das zu recht­fer­ti­gen ist.

  4. Hm, das glaub ich, dass das anstren­gend ist. Es ist so wie, wenn man beschließt kei­ne Cola etc. zu trin­ken, plötz­lich jeder dir eine Cola anbie­ten will und du ableh­nen musst und wenn du doch mal schwach wirst dich alle wie einen Heuch­ler angu­cken. Nur halt kras­ser. :/ Aber mach dich selbst nicht zu fer­tig, dann isst man halt nicht vegan son­dern »nur« vege­ta­risch – na und? Wenn du aber sel­ber das größ­te Pro­blem damit hast, dann muss es doch wie­der glei­che x-te vega­ne Ham­bur­ger sein…

  5. Ich mag die­sen Arti­kel und den Bei­trag von Christiane.

    Mit dem Vegan-/Ve­ge­ta­tisch­sein ist es im Grun­de wie bei einer Diät: Man ver­zich­tet auf Din­ge, die total lecker sind, weil es für einen selbst/die Tiere/die Umwelt bes­ser ist. Prin­zi­pi­ell ist das ein sehr guter Ein­satz. Das Pro­blem ist aller­dings, dass vie­le tie­ri­sche Lebens­mit­tel nicht ein­fach so ersetz­bar sind. Eine tro­cke­ne Tofu­wurst ist nicht das glei­che wie eine kna­cki­ge Grill­wurst und über Käse­er­satz brau­chen wir gar nicht erst reden. 

    Was ich mich aller­dings immer fra­ge: War­um macht man sich so viel Stress? War­um muss man sich über das Vegan-/Ve­ge­ta­risch­sein so sehr defi­nie­ren? Setzt man sich selbst damit nicht noch viel mehr unter Druck? Tut einem das gut? 

    Zuhau­se ist vegane/vegetarische Ernäh­rung, wie du auch schreibst, kein Pro­blem. Da kocht man halt, wie man möch­te. Das Pro­blem ist unse­re Gesell­schaft, die ein­fach noch nicht »vegan« genug ist. Es wird sicher­lich irgend­wann kom­men, dass Kantinen/Restaurants/Cafés auch dau­er­haft vega­ne Spei­sen anbie­ten. Bis dahin hat man als Vega­ner eigent­lich nur zwei Mög­lich­kei­ten: Sich außer­halb der eige­nen vier Wän­de hin­sicht­lich der Viel­falt mas­siv ein­schrän­ken oder sich ab und zu auch mal ganz bewusst lecke­re vegetarische/fleischige Gerich­te zu gön­nen, um den Heiß­hun­ger etwas in Gren­zen zu hal­ten. Esst doch ein­fach, was euch schmeckt. Hört auf, euch ein­zu­re­den, dass man unbe­dingt kon­se­quent vegan oder vege­ta­risch sein muss, um die Welt zu ret­ten und ein bes­se­rer Mensch zu sein. Vie­le wer­den irgend­wann doch rück­fäl­lig, weil ihnen irgend­was fehlt. Viel wich­ti­ger ist doch, dass man einen Weg fin­det, mit dem man sich selbst wohl fühlt und sich bewusst ernährt.

    • Jenny

      Was ich mich aller­dings immer fra­ge: War­um macht man sich so viel Stress? War­um muss man sich über das Vegan-/Ve­ge­ta­risch­sein so sehr defi­nie­ren? Setzt man sich selbst damit nicht noch viel mehr unter Druck? Tut einem das gut?

      War­um man sich Stress macht? Weil es eine Über­zeu­gung ist, die man auf­ge­baut hat, und die sich nicht so ein­fach abschüt­teln lässt. Stell Dir ein­fach vor, Dir ist etwas sehr wich­tig, Du setzt Dich dafür ein, aber irgend­was rüt­telt dar­an. Da sagst Du auch nicht ein­fach: »Ja gut, dann mache ich das halt nicht mehr.«

      War­um man sich dar­über defi­niert? Weil es eine Lebens­wei­se ist, die ja sogar nicht mal mehr pri­vat ist, son­dern uns alle betrifft – und die in einen über­geht. Ob man sich damit noch mehr unter Druck setzt? Da kann ich nur von mir spre­chen, und ja, ich tue das. Da ist aber auch jeder Mensch unter­schied­lich, ich bin halt sehr idealistisch.

      Esst doch ein­fach, was euch schmeckt. Hört auf, euch ein­zu­re­den, dass man unbe­dingt kon­se­quent vegan oder vege­ta­risch sein muss, um die Welt zu ret­ten und ein bes­se­rer Mensch zu sein.

      Es geht gar nicht dar­um, ein bes­se­rer Mensch zu sein oder die Welt ret­ten zu wol­len – mit die­ser Inten­ti­on käme ich ohne Über­zeu­gung näm­lich nicht weit. Es geht dar­um, dass man das, was pas­siert, ein­fach nicht mit sich selbst ver­ein­ba­ren kann. Und des­halb ist das »Esst doch ein­fach was Euch schmeckt!« ein biss­chen wie ein Tritt ins Gesicht. Weil wir das wür­den, wenn wir könn­ten. Da hängt eben noch viel mehr dran.

    • Jenny

      Dei­nen letz­ten Satz fin­de ich aller­dings sehr gut, der trifft so die Essenz des Gan­zen. Viel­leicht darf man sich dar­über tat­säch­lich nicht so defi­nie­ren, bzw. sich auch erlau­ben »eine Mischung« zu sein und sich nicht bewusst labeln. Das nimmt dann den Druck.

    • War­um man sich Stress macht? Weil es eine Über­zeu­gung ist, die man auf­ge­baut hat, und die sich nicht so ein­fach abschüt­teln lässt. Stell Dir ein­fach vor, Dir ist etwas sehr wich­tig, Du setzt Dich dafür ein, aber irgend­was rüt­telt dar­an. Da sagst Du auch nicht ein­fach: »Ja gut, dann mache ich das halt nicht mehr.«

      Das kann man so ein­fach nicht pauschalisieren. 

      Über­zeu­gung ist rei­ne Kopf­sa­che. Dann ist da aber noch jemand, der gegen dei­ne Über­zeu­gung spielt: Das Unter­be­wusst­sein. Irgend­wann hast du näm­lich mal gelernt, dass Fleisch, Käse usw. gut schme­cken. Außer­halb der eige­nen vier Wän­de ist man den Fut­ter­rei­zen stär­ker aus­ge­setzt und kann sie weni­ger kon­trol­lie­ren. Und wenn dann noch das vegane/vegetarische Ange­bot übersichtlich/einseitig ist, wird’s beson­ders hart. Da reicht es manch­mal schon, wenn man den Camen­bert nur sieht, riecht oder dar­an denkt und zack – bist du der Paw­low­sche Hund, willst den Käse unbe­dingt und brichst mit dei­nen Über­zeu­gun­gen. So funk­tio­nie­ren wir Men­schen nun mal.

      Wenn ich z.B. für höhe­re Gehäl­ter strei­ken gehen wür­de, ist das auch eine Über­zeu­gung. Die ist dann aber nicht durch das Unter­be­wusst­sein beein­flusst. Wenn ich dann noch gute Grün­de für mei­ne Über­zeu­gung habe, kann man dar­an nicht so leicht rütteln.

    • Jenny

      Viel­leicht habe ich mich nicht prä­zi­se genug oder ein­fach falsch aus­ge­drückt. Wenn Dir was am Her­zen liegt, ist es eben nicht so leicht, ein­fach damit auf­zu­hö­ren, auch wenn es viel­leicht manch­mal bes­ser ist, weil man sich sel­ber damit mehr belas­tet, als dass es einem nützt. (Viel­leicht war »Über­zeu­gung« tat­säch­lich das fal­sche Wort, habe auch ewig her­um­über­legt, wie ich das nun anstän­dig erklä­ren kann. ;) )

      Ich den­ke übri­gens, dass man Gelern­tes auch »umler­nen« kann. Sicher­lich haben wir gelernt, dass tie­ri­sche Pro­duk­te (um mal Dein Bei­spiel auf­zu­grei­fen) gut schme­cken. Wir haben gelernt, dass Fleisch »nor­mal« ist und eigent­lich zu jedem Essen dazu gehört, eben, weil es jeder so macht und in der Gesell­schaft eta­bliert ist. Das kann sich aber auch ändern.
      Ich zum Bei­spiel fin­de, dass Cur­ry­wurst immer noch total geil riecht, wür­de sie aber nie im Leben mehr essen, weil ich es per­sön­lich ekel­haft fin­de, auf totem Fleisch her­um­zu­kau­en: Ich sehe auch in dem Stück Fleisch nicht nur das Pro­dukt, son­dern das Tier dahin­ter – es schmeckt mir ein­fach nicht mehr – auch wenn ich es so gelernt habe. Und das hin­dert mich dar­an. Da kann es nur Fleisch auf einer Par­ty geben, ich wür­de eben wie­der hung­rig nach Hau­se gehen.

      Bei Milch­pro­duk­ten ande­rer­seits habe ich eine ande­re »Bin­dung« zu dem Pro­dukt, eben, weil sie vom Tier stam­men, aber nicht das Tier selbst ist. Und das setzt bei mir die Hemm­schwel­le in die­ser Hin­sicht run­ter. Beim Veg­an­wer­den habe ich auch ganz klar zu mir gesagt: Ich mag Käse, aber esse ihn nicht, weil ich es nicht okay fin­de. Klar, dass da der Pawlow’sche Effekt ein­setzt. Das war beim Weg zum Vege­ta­ri­er ein Stück weit anders.

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