Introvertiert in einer extrovertierten Welt.

Es gibt den Run­ning Gag, dass ich an mei­nen eige­nen Par­tys von hier auf jetzt ein­fach den Lap­top mit Musik zuklap­pe und alle Leu­te nach Hau­se schi­cke. Man wit­zelt qua­si vor jeder Par­ty schon, wann Jen­ny »heu­te wie­der« bereit für den gro­ßen Raus­wurf ist – und stellt sich mehr oder weni­ger irgend­wann ab drei Uhr dar­auf ein, dass im nächs­ten Moment ein­fach tota­le Stil­le ist und die Leu­te rau­nend und mur­melnd die Loca­ti­on verlassen. 

Man bezeich­net Men­schen wie mich als ruhig und zurück­ge­zo­gen, fälsch­li­cher­wei­se oft auch als schüch­tern. Small­talk ver­mei­den wir, weil wir unger­ne über die irrele­van­ten Din­ge spre­chen. Vor einer gro­ßen Grup­pe zu reden über­las­sen wir lie­ber ande­ren, zwi­schen frem­den Men­schen füh­len wir uns deplat­ziert und auf Par­tys hal­ten wir sel­ten lan­ge durch. Prin­zi­pi­ell wer­den wir oder unser Ver­hal­ten total oft miss­ver­stan­den und fehl­in­ter­pre­tiert. Ich bin einer von die­sen Men­schen, ich bin introvertiert.

»Geh doch mal mehr raus!«

In einer Welt wie die­ser habe ich schnell gelernt, dass man mit der intro­ver­tier­ten Art nir­gends so recht rein­passt, weil die­se Welt nicht auf uns abge­stimmt ist. Das fing im Kin­der­gar­ten an, wo ich mich zwi­schen den gan­zen Kin­dern nicht in Ruhe zurück­zie­hen konn­te. Es ging wei­ter in der Schu­le, wo man stän­dig münd­li­che Prä­senz zei­gen muss­te, die oft in hohem Maße in die End­no­te ein­floss. In mei­nem Zeug­nis stand: »Jen­ny war eine ruhi­ge und zurück­hal­ten­de Schü­le­rin. Sie müss­te sich unbe­dingt um akti­ve­re Mit­ar­beit im Unter­richt bemü­hen und selbst­be­wuss­ter auftreten.«

Lan­ge Zeit dach­te ich, ich müs­se mich ändern. Wenn ich kei­ne Lust auf Par­tys oder Tref­fen mit Freun­den hat­te, trotz­dem hin­ge­hen. Mich mit Freun­den von Freun­den unter­hal­ten, weil sie mich sonst für arro­gant hiel­ten. Immer erreich­bar zu sein: Tele­fon­an­ru­fe, Chat-Nach­rich­ten oder SMS beant­wor­ten – weil man mir sonst Des­in­ter­es­se an der Per­son unter­stel­len könn­te. Bei mehr­tä­gi­gen Schul­aus­flü­gen immer mit ande­ren zusam­men­sein, auch wenn mich das ner­vös und unaus­ge­gli­chen mach­te. Ich stand eigent­lich ger­ne im Abseits, fühl­te mich dabei aber gleich­zei­tig aus­ge­schlos­sen. Ich konn­te kei­ner Sei­te so rich­tig gerecht werden.

War­um wir so sind, wie wir sind, haben schlaue Men­schen schon früh her­aus­ge­fun­den: Wir neh­men mehr Ein­drü­cke wahr, erken­nen die Stim­mung ande­rer schnel­ler, weil wir uns auf einem höhe­ren Empa­thie­le­vel bewe­gen, sind oft viel sen­si­bler. Anders als Extro­ver­tier­te brau­chen wir unse­re Zeit, um alles zu ver­ar­bei­ten und unse­re Bat­te­ri­en auf­zu­la­den, schöp­fen unse­re Ener­gie also »aus uns selbst«. Des­halb kann es auf einer Par­ty schon mal pas­sie­ren, dass wir ein­fach abschalten.

Zeugnis der 4. Klasse.

Extro­ver­tier­te sind prä­sent, stets auf­ge­schlos­sen, wir­ken inter­es­sant und sind oft auch sehr unter­halt­sam. Sie schei­nen zu wis­sen, was sie wol­len, und das ist das, was sie auch ausstrahlen.
Die Stär­ken der Intro­ver­tier­ten sind hin­ge­gen Din­ge, die nach außen hin eher unschein­bar sind: ande­ren zuzu­hö­ren, ohne stän­dig sel­ber zu spre­chen. Sich in ande­re hin­ein ver­set­zen zu kön­nen, sofort füh­len, wenn sich stim­mungs­tech­nisch zwi­schen Men­schen etwas anbahnt. Ver­ste­hen, war­um ande­re sich so ver­hal­ten, wie sie sich eben ver­hal­ten. Sei­ne Umwelt viel tief­grün­di­ger wahr­neh­men; Din­ge stän­dig zu hin­ter­fra­gen, nach­zu­den­ken, ande­re hin­ter­fra­gen, sich selbst am meis­ten. Kein Wun­der also, wenn wir oft gar nicht rich­tig wahr­ge­nom­men wer­den, wir tra­gen das gan­ze eben nicht auf einem sil­ber­nen Tablett nach außen.

Ich weiß, dass der Umgang mit intro­ver­tier­ten Men­schen für ande­re nicht gera­de ein­fach ist: Sie sind schlecht durch­schau­bar und klä­ren Men­schen nur sel­ten über ihr Innen­le­ben auf. Dass sie ver­bal oft erst gar nicht die rich­ti­gen Wor­te fin­den, macht es für sie nicht wesent­lich leich­ter. Wie oft haben sich ande­re schon die Zäh­ne aus­ge­bis­sen, um mich dazu zu bewe­gen, über das zu spre­chen, was in mir vor­geht. Und wie oft habe ich ver­sucht, mich aus­zu­drü­cken, wur­de aber nicht verstanden.

Ich, heute.

Ich habe das Gefühl, dass das mit der Intro­ver­si­on mit dem Alter zuneh­mend ein­fa­cher wird. Wäh­rend ich frü­her ver­sucht habe, alles, was mir Angst mach­te, zu mei­den (Prä­sen­ta­tio­nen, Kon­tak­te zu frem­den Men­schen, Men­schen­men­gen …), stel­le ich mich jetzt ein­fach die­sen Din­gen, ich mei­ne: was kann schon passieren.
Und wenn ich spü­re, dass es mir zu viel wird oder gar nicht mehr geht, den­ke ich ego­is­ti­scher und nicht mehr, was der ande­re von mir hal­ten könn­te. Ich tue dann ver­rück­te Din­ge, wie auf einer Par­ty allei­ne her­um­ste­hen. Mich ohne gro­ße Umschwei­fe aus einer Unter­hal­tung aus­klin­ken. Oder ein­fach von einer Par­ty gehen, ohne mich zu ver­ab­schie­den. Zwei, drei Tage lan­ge mit kei­nem Men­schen kom­mu­ni­zie­ren. Ohne jeman­den ins Kino gehen. Oder in ein Café.

Intro­ver­si­on ist ein Wesens­zug, kei­ne Krank­heit; die Welt braucht Men­schen wie uns, denn wir sind der Gegen­pol zur Extro­ver­si­on. Letzt­end­lich ist das Ein­zi­ge, das wir wirk­lich nicht wol­len, stän­dig in einen Men­schen ver­än­dert wer­den zu wol­len, der wir nicht sind. Wer das ver­steht, hat uns begrif­fen – und wird letzt­end­lich super mit uns zurecht kommen.

33 Comments

  1. Hm, ein paar Din­ge sind für mich nicht ganz schlüssig…

    Du schreibst erst, dass du dach­test, du soll­test dich ändern und dich auf Par­tys etc. zwin­gen. Und dann beschreibst du die heu­ti­ge Situa­ti­on mit viel posi­ti­ve­ren Wor­ten, aber im Kern genau­so: »Ich stel­le mich jetzt die­sen Din­gen.« Bleibt noch die Ergän­zung, dass du es abbrichst, wenn es zu viel wird. Ist das der Unter­schied zu frü­her? Hast du das da nicht gemacht?

    Wie du dich so beschreibst, trifft in vie­len Punk­ten auch mei­ne Wahr­neh­mung. Aber passt es zur Intro­ver­tiert­heit, sich so inten­siv in der Öffent­lich­keit mit­zu­tei­len, wie du’s hier in dei­nem Blog tust? Oder ist es gera­de der Unter­schied, dass du dir hier Zeit las­sen kannst, die Gedan­ken rei­fen zu las­sen und dir nie­mand gegenübersteht?

    Ansons­ten fiel mir nur noch auf, dass eini­ge Din­ge, die du beschreibst, auch auf mich zutref­fen und ich wür­de mich nun nicht gera­de als intro­ver­tiert beschrei­ben: Zum Bei­spiel allei­ne ins Café gehen oder auf einer Par­ty auch mal allei­ne rumstehen.

    Und dann noch zu ein paar Zitaten:

    Run­ning Gag

    So lus­tig ist das gar nicht. Vor allem, wenn Nacht­bus­se nur stünd­lich fah­ren und sowas.

    Letzt­end­lich ist das Ein­zige, das wir wirk­lich nicht wol­len, stän­dig in einen Men­schen ver­än­dert wer­den zu wol­len, der wir nicht sind. Wer das ver­steht, hat uns begrif­fen — und wird letzt­end­lich super mit uns zurecht kommen.

    Das will doch kei­ner?! Inwie­fern soll das denn eine spe­zi­fi­sche Cha­rak­ter­ei­gen­schaft von Intro­ver­tier­ten sein?

    • Der Unter­schied zu frü­her ist viel einfacher:
      Heu­te weiß man, dass man schlicht »intro­ver­tiert« ist.
      Frü­her dach­te man, man müs­se so sein wie die Ande­ren, all das eben gern tun, was die Ande­ren tun und fand sich selbst selt­sam, wenn man ein­fach aus­bre­chen woll­te und allein sein wollte.
      Man lernt mit dem Intro­ver­tiert-Sein umzu­ge­hen und man lernt, wann für einen der Punkt ist, an dem es mit dem Men­schen­kon­takt reicht oder an dem man eben die Ruhe braucht :) des­halb ist es spä­ter ein­fa­cher, damit umzugehen.
      Wich­tig ist auch der Punkt, dass das Phä­no­men der Intro- und Extra­ver­si­on erst seit kur­zem in den Köp­fen auch prä­sent ist.
      Merkt man ja an den Leh­rer-Reak­tio­nen: Man muss sich mehr münd­lich betei­li­gen, weil sonst gilt man als Des­in­ter­es­siert oder Unauf­merk­sam – obwohl ja das Gegen­teil der Fall ist – weil die­ses Intro­ver­si­on-Ding im Schul­dings nicht so bekannt war/ist.

    • Jenny

      Die von Dir ange­spro­che­nen Aspek­te wur­den hier schon beant­wor­tet, und zwar so, wie ich sie auch beant­wor­ten würde. :)

      So lus­tig ist das gar nicht. Vor allem, wenn Nacht­busse nur stünd­lich fah­ren und sowas.

      Ganz nüch­tern betrach­tet ist es das wahr­schein­lich nicht, nein.

      Das will doch kei­ner?! Inwie­fern soll das denn eine spe­zi­fi­sche Cha­rak­ter­ei­gen­schaft von Intro­ver­tier­ten sein?

      Sagt ja kei­ner, die­se Aus­sa­ge bezog sich hier noch mal auf das The­ma speziell.

  2. Schö­ner Text! Fin­de das Anfangs­bei­spiel mit dei­nen Par­ties fast schon lus­tig :D dei­ne Freun­de schei­nen dich und dei­ne Intro­ver­tiert­heit zumin­dest sehr lieb gewon­nen zu haben. Ich kann dich zu Tei­len auch sehr gut ver­ste­hen, ich bin ein komi­scher Mix aus intro- und extro­viert (hab ich letz­tens noch drü­ber geb­loggt: http://morgenwirdgestern.de/2014/10/introvert-vs-extrovert/ )

    • Jenny

      Ich glau­be, man arran­giert sich halt damit, Men­schen – vor allem Freun­de – muss man im gewis­sen Maße ein­fach neh­men, wie sie sind, auch mit ihren Macken. Dann funk­tio­niert das. :)

  3. Also ich mach ja kei­ne Par­ties zu Hau­se… So kann ich näm­lich immer den pol­ni­schen Abgang machen, wenn es mir zu viel wird. 

    Und ich denk Hen­ning hat das mitn Blog schon rich­tig ent­schlüs­selt. Mit einem Blog hat man Zeit für ein Gespräch, im Real Life ist es hek­ti­scher. So kann sich Jen­ny jetzt erst­mal die Kom­men­tar durch­le­sen, drü­ber schla­fen und dann was ant­wor­ten. Im Real Life wohl kaum umsetzbar.

  4. Als wahr­schein­lich extro­ver­tier­tes­te Intro­ver­tier­te der Welt kann ich vie­les davon unter­schrei­ben, ins­be­son­de­re dass es mit der Zeit leich­ter wird. Mitt­ler­wei­le kann ich sogar Small­talk – es gefällt mir zwar nicht, aber wenn ich muss oder mit dem Strom schwim­men möch­te, dann rufe ich die 08/15-Mus­ter ab.

    »Ich tue dann ver­rückte Din­ge, wie auf einer Par­ty allei­ne herumstehen.«

    <3

    (Bis sich jemand zu Dir setzt, weil er es »so trau­rig« fin­det, dass Du da so allei­ne sitzt und das nicht von Ein­sam­keit unter­schei­den kann.)

  5. Hach Jen­ny, du sprichst mir aus der See­le! Und ich find dei­ne Gedan­ken­gän­ge recht schlüs­sig aus der Per­spek­ti­ve einer intro­ver­tier­ten Per­son. Klar ist allein ins Kino oder Café gehen kei­ne spe­zi­fi­sche Eigen­schaf­ten der Intro­ver­si­on, son­dern Bei­spie­le von Akti­vi­tä­ten die intro­ver­tier­te Men­schen machen, wenn ihnen alles zu viel wird und sie abschal­ten möchten. 

    Sehr schön geschrie­ben. Dan­ke dafür, dass du die­sen recht per­sön­li­chen Bei­trag mit uns teilst!

  6. Jasmine

    Vie­len Dank für die­sen Bei­trag! Bei mir stand so ziem­lich genau das sel­be immer im Zeug­nis. Ich neh­me die Welt als sehr »extro­ver­tiert-ori­en­tiert« wahr. In der Schu­le stän­dig Grup­pen­ar­bei­ten, weil Zusam­men­ar­beit ja wich­tig ist (Das ist sie auch, aber die Leu­te stän­dig dazu ver­don­nern die eigent­lich auch sehr ger­ne allei­ne arbei­ten, stei­gert die Pro­duk­ti­vi­tät nicht), die Leu­te in Gross­raum­bü­ros ste­cken weil der Aus­tausch ja so för­dernd ist (ist er auch, aber nicht für Leu­te die ger­ne auch mal ihre Ruhe haben). Und ich hof­fe, dass sich, jetzt wo das The­ma Intro- vs. Extro­ver­tiert­heit auch mehr unter­sucht wird, auch die Gesell­schaft auch ein biss­chen weni­ger auf die »posi­ti­ven« extro­ver­tier­ten Eigen­schaf­ten stürzt und auch den Intro­ver­tier­ten etwas mehr Raum gibt und deren Bedürf­nis­sen auch mehr Beach­tung schenkt.

    • Jenny

      Ja, das hof­fe ich auch. Toll fin­de ich zum Bei­spiel, wenn es im Busi­ness-Bereich die­se Coa­chings gibt, die schon vie­les abfan­gen kön­nen, und die Leu­te hier­für sen­si­bi­li­siert wer­den. Lei­der fin­den die­se zu sel­ten statt.

  7. Ich les’ hier ja nor­mal nur mit, mit viel Freu­de, aber heu­te muss ich auch mal was sagen.
    Das ist ein sehr inti­mer Text, der vie­len aus der See­le spricht. Genau wie mir auch, ich hab zwar noch kei­ne Par­ty been­det, aber Intro­ver­tiert­heit kommt ja in so vie­len Geschmä­ckern vor, wie es auch intro­ver­tier­te Men­schen gibt.
    Die Zeug­nis­tex­te stan­den bei mit 1:1 und es war sehr lan­ge ein Makel. Genau wie: »wie­so stehst du hier nur rum, unter­hal­te dich doch… blablabla« 

    Hin­ter mir gelas­sen habe ich das erst seit ich Fami­lie habe und ich nicht mehr unter dem Zwang der Spaß­kul­tur ste­he, über­trie­ben gesagt. Und dein Gefühl, das es im Alter ein­fa­cher wird, kann ich voll bestä­ti­gen. Das ist defi­ni­tiv so.

  8. Inter­es­sant in wie vie­len Berei­chen ich mich wie­der­erken­ne… Und irgend­wie war es mir bis dato nicht bewusst, dass ich vlt. ein­fach zu den intro­ver­tier­ten Men­schen zäh­le. ôo
    Ich kann zwar mitt­ler­wei­le eini­ger­ma­ßen gut vor Leu­ten spre­chen und so (wur­de ja aner­zo­gen), aber in grö­ße­ren Mes­nchen­men­gen füh­le ich mich unwohl, ich weiß nie, was ich mit »frem­den« Leu­ten quat­schen soll und gene­rell bin ich ein­fach ger­ne auch mal für mich und ver­zich­te auf die eine oder ande­re Par­ty (an denen ich eh nichts toll fin­de und zu denen ich nur gehe, um nicht alle Freun­de vor den Kopf zu stoßen).
    Dan­ke fürs Augen öff­nen und gut zu lesen, dass ich nicht allein bin.

  9. Dei­ne Art eine Par­ty zu been­den stel­le ich mir schon irgend­wie lus­tig vor :D
    Aber tol­ler Text, in dem ich mich auch wie­der erken­ne. In mei­nem Zeug­nis, stand so unge­fähr genau das sel­be. Von Anfang an hieß es immer, ich müss­te mich mehr münd­lich beteiligen…

    • Jenny

      Ich hof­fe ja immer dar­auf, dass auf die­ses Mit­ar­beit-The­ma in Zukunft bes­ser ein­ge­gan­gen wird – es gibt nun­mal ver­schie­de­ne Typen Men­schen. Ich ken­ne eini­ge, denen das wirk­lich die Note ver­saut hat, was ich ein­fach unge­recht finde.

  10. Das gilt aber genau­so anders­rum. An der Uni war ich in münd­li­chen Prü­fun­gen viel, viel bes­ser als in schrift­li­chen – aber in der Regel wur­de schrift­lich abge­prüft, was mich bei mei­ner Schreib­häu­fig­keit schon allei­ne phy­sisch vor eine Her­aus­for­de­rung stellte.

    Unser Bil­dungs­sys­tem ist aber ins­ge­samt eh viel zu sehr auf Abprü­fen als auf Ler­nen ausgelegt.

    • Jenny

      Ich glau­be nicht, dass man das direkt so ver­glei­chen kann, weil Intro­ver­si­on eine Cha­rak­ter­ei­gen­schaft ist, die man wesent­lich schwe­rer ändern kann als die Häu­fig­keit, von Hand zu schrei­ben. Mit dem Rest gebe ich Dir Recht.

  11. Man kann bei­des trai­nie­ren, aber das ist in bei­den Fäl­len ein rei­nes Her­um­dok­tern am Sym­ptom. Denn eigent­lich soll es ja dar­um gehen, was man weiß oder kann.

    Und natür­lich ist das nicht 1:1 ver­gleich­bar, aber genau das wird uns ja durch das Bil­dungs­sys­tem vor­ge­gau­kelt. Am Ende steht da eine Note oder Punkt­zahl, die dazu dient, Men­schen mit ver­schie­de­nen Cha­rak­te­ren, Stär­ken und Schwä­chen mit­ein­an­der zu ver­glei­chen – unab­hän­gig von vie­len, vie­len Einflussfaktoren.

    Wo das Gan­ze ver­gleich­bar wird, ist der Punkt, dass es unge­recht wird, wenn die Leis­tun­gen einer Per­son je nach Prü­fungs­art (!) sehr unter­schied­lich sind. Das ist nur dann gerecht­fer­tigt, wenn die Art der Prü­fung schon Teil der Leis­tung ist (wie gut jemand vor­tra­gen kann, prü­fe ich eben am bes­ten anhand eines Vor­trags ab).
    Da spielt es dann aber kei­ne Rol­le, ob das wegen einer Cha­rak­ter­ei­gen­schaft, phy­si­schen Eigen­schaf­ten oder was weiß ich was geschieht – solan­ge es eben nicht Teil der Leis­tung ist, die abge­prüft wer­den soll.

    • Jenny

      Intro­ver­si­on mit einer hand­schreib­schwa­chen Hand zu ver­glei­chen degra­diert das The­ma bzw. die Pro­ble­ma­tik »Intro­ver­si­on« für mich mit Dei­nem Kom­men­tar erheb­lich: Dein genann­tes Pro­blem zu lösen ist eine kör­per­li­che Fra­ge, sich selbst cha­rak­ter­lich zu ändern (oder: damit umzu­ge­hen, wie man ist) ein ganz ande­res Level. Zudem das The­ma Intro­ver­si­on in der Schu­le nur ein Teil­as­pekts des Gan­zen ist, das alles wird ja fort­ge­führt im Stu­di­um oder spä­ter im Beruf.

      Ich weiß aller­dings, wor­auf Du hin­aus­willst, und wie gesagt: Da bin ich ganz bei Dir.

    • Mir ging es ja nicht um das The­ma Intro­ver­si­on an sich. Klar ist das viel größer.

      Daher hab ich mich nur auf das Prü­fungs­the­ma bezo­gen geäu­ßert. Du hat­test doch dazu einen Kom­men­tar geschrie­ben und auf den hab ich geant­wor­tet. Sonst nichts.

      Und da sind wir uns ja offen­bar einig.

  12. Alexander

    Sehr schö­ner Text, er war so gut zu lesen das ich über­rascht war das es plötz­lich zu ende war.
    Ich habe mich voll und ganz damit iden­ti­fi­zie­ren kön­nen, so habe ich den Text mit Freu­den genossen.
    Ich fin­de Intro­ver­tiert­heit anzie­hen­der und tief­sin­ni­ger. Hat was von Unnah­bar­keit und Geheimnisvoll.

  13. Jack Hanson

    Ganz gro­ßes Lob für die­sen tol­len Bei­trag. Auch ich weiß, wie es Dir geht, weil ich nicht anders bin und alles um mich her­um nur in Maßen ertra­ge, bzw. nur in Maßen haben möch­te, ehe ich mich zurück zie­hen und ganz für mich sein kann und muss. Das kann ich dann stun­den- oder auch tage­lang. Was für vie­le Extro­ver­tier­te dann erscheint, als sei ich ein Lang­wei­ler oder ein Igno­rant, doch ich habe gelernt, dass die­se Men­schen eben nicht sehen kön­nen was wir sehen.

    Zugleich weiß ich nur zu gut, dass ich dadurch gewis s zu den kom­pli­zier­tes­ten Men­schen der Welt gehört, so erscheint es mir zumin­dest. Und ich bewun­de­re jeden, der es län­ger mit mir aus­hält, allen vor­an natür­lich Frau Hanson.

    Vie­le Grü­ße in die Heimat.

    • Jack Hanson

      PS: Ich ver­gaß natür­lich das Wich­tigs­te: Komm’ bloß nicht auf die Idee, die­se intro­ver­tier­te Ader als einen Feh­ler, eine Schwä­che, einen Grund für Selbst­zwei­fel, oder noch etwas viel Schlim­me­ren zu sehen. Denn sie ist ein Geschenk.

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