Ja, sie läuft wieder!

Brooks Laufschuhe

Als ich im Janu­ar 2013 mei­ne »Lauf-Kar­rie­re« begann (was eine Art Wun­der war, weil ich davor der abso­lu­te Sport-Muf­fel war, was über­wie­gend durch Schul­sport aus­ge­löst wur­de), war ich sehr ehr­gei­zig. Ich woll­te am liebs­ten gleich im Juni mei­nen ers­ten Halb­ma­ra­thon lau­fen, mach­te auch eine sport­me­di­zi­ni­sche Unter­su­chung, aber der Sport­arzt riet mir erst mal, klein anzu­fan­gen. So lief ich beim 20. Stutt­gart »ledig­lich« sie­ben Kilo­me­ter – die aber mit Stolz. Ein Jahr spä­ter lief ich dann tat­säch­lich mei­nen ers­ten Halb­ma­ra­thon.

Im Okto­ber letz­ten Jah­res habe ich das Lau­fen ein­ge­stellt. Das hat­te in ers­ter Linie damit zu tun, dass ich star­ke Knie­schmer­zen hat­te und sich das somit auto­ma­tisch erle­dig­te. Hin­zu kommt, dass ich tat­säch­lich kei­ne Lust hat­te, lau­fen zu gehen.

Als ich an Sil­ves­ter Zuschau­er beim Wei­lim­dor­fer Sil­ves­ter­lauf war, spür­te ich wie­der ers­te Anzei­chen von »Ich will jetzt unbe­dingt wie­der lau­fen!«; aller­dings war mein Knie zu der Zeit noch kaputt und der Win­ter mit sei­nem mie­sen Wet­ter, der Käl­te und der Glät­te moti­vier­ten mich nicht son­der­lich – und für mich gibt’s nichts schlim­me­res als ein Lauf­band im Fit­ness­stu­dio. Hin­zu kam, dass ich zu der Zeit eh eine eher trä­ge Pha­se hat­te und mich zu nichts auf­raf­fen konnte.

Wie ich wieder begann, zu laufen.

Der Sport und ich, wir hat­ten noch nie eine Zweck­be­zie­hung: Ich brau­che ihn nicht, um abzu­neh­men oder in Form zu kom­men, ich brau­che ihn nicht, um Zeit tot­zu­schla­gen oder um mein Gewis­sen zu beru­hi­gen. Somit waren wir nie abhän­gig von­ein­an­der und ich muss­te kein schlech­tes Gewis­sen haben, wenn ich ihn mal nicht in aller Regel­mä­ßig­keit ausführte.

Aber dann wur­de es wie­der Früh­ling – die Luft erfüllt von Blu­men­duft, die Son­nen schien vom Him­mel und mei­ne Lauf-Hor­mo­ne dreh­ten völ­lig durch. Ich habe die­ses Jahr schon öfter her­um­po­saunt, dass ich bald wie­der lau­fen gehen wür­de, letz­te Woche habe ich es dann tat­säch­lich umge­setzt: Ich kauf­te neue Lauf­schu­he (die letz­ten hat­te immer­hin 800 Kilo­me­ter drauf) und ging ges­tern Nacht wie­der lau­fen. Und was soll ich sagen: Es war awe­so­me. Mein Mus­kel­ka­ter heu­te ist nicht so awe­so­me, aber sonst fühlt sich alles unglaub­lich gut an.

Ich woll­te es eigent­lich erst lang­sam ange­hen las­sen (was für mich bedeu­tet: zwei bis drei Kilo­me­ter), aber als ich so im Flow war, lief ich doch mei­ne knap­pe sechs. Und auch, wenn mein Pace bis­her eh nicht so der Ober­knül­ler war, hat mei­ne Kon­di­ti­on komi­scher­wei­se an nichts eingebußt.

Meine neuen Ziele.

Din­ge, die ich in den zwei Jah­ren gelernt habe: Ich lau­fe lie­be öfter und weni­ger lang. Anfangs habe ich mich arg trei­ben las­sen, auch von ande­ren, die nicht mal zwei Stun­den für ihren Halb­ma­ra­thon gebraucht haben. Ja, die­se Men­schen habe mich wirk­lich sehr inspi­riert, aber teil­wei­se steck­te ich mei­ne Zie­le viel zu hoch. Die­ser Ver­gleich mit ande­ren, die teil­wei­se schon Jah­re mit dem Lau­fen Erfah­rung hat­ten und auch mehr dafür leben, ja, das hat mich doch im Nach­hin­ein sehr schnell unglück­lich gemacht, weil ich mit deren Leis­tung nicht mit­hal­ten konn­te. Ich habe mich schlicht und ein­fach überfordert.
Wenn ich mir über­le­ge, dass mein ers­ter Gedan­ke nach mei­nem ers­ten Halb­ma­ra­thon »oh, scha­de … knapp unter zwei­ein­halb Stun­den« war anstatt »geil, ich habe es tat­säch­lich geschafft« – dafür könn­te ich mich heu­te noch ohrfeigen. 

Ich möch­te es jetzt ein biss­chen lang­sa­mer ange­hen las­sen. Ich möch­te mir im Jahr even­tu­ell ein gro­ßes Ziel wie einen Halb­ma­ra­thon ste­cken, aber sonst doch eher Läu­fe um die zehn Kilo­me­ter anpei­len. Und wenn das mal pro­blem­los klappt, wer­de ich mich auch an Grö­ße­res wagen.

Mein ers­tes Event die­ses Jahr ist der Stutt­gart Lauf Ende Juni, bei dem ich mich für die sie­ben Kilo­me­ter lan­ge Stre­cke ange­mel­det habe. Und die­se Kilo­me­ter möch­te ich mit einer bes­se­ren Zeit als vor zwei Jah­ren schaf­fen, sprich: unter 45 Minuten. 

Das ist ein klei­nes Ziel, aber völ­lig in Ord­nung so.

9 Comments

  1. Chris­tia­ne gefällt das! 

    Ver­su­che mich auch zu moti­vie­ren! Biki­ni­fi­gur 2020 – weiß­te bescheid,…

  2. Cool! :)
    Ich bin auch gera­de wie­der flei­ßig am Lau­fen, prak­ti­scher­wei­se habe ich gera­de den Harz direkt vor mei­ner Tür. Auch hier chak­ka Biki­ni­fi­gur :P

    • Jenny

      Du Glück­li­che! Ich brauch zehn Minu­ten bis zum Park und muss dafür zehn Minu­ten an einer der Ver­kehrs­haupt­adern Stutt­garts lau­fen. ;)

  3. Das ist groß­ar­tig! Will­kom­men zurück! :-) Hast Du denn raus­ge­kriegt, was genau mit dem Knie los war? Wenn nicht, kann ich Dir nur raten, Dir vom Ortho­pä­den mal Manu­el­le The­ra­pie bei einem guten Phy­sio auf­schrei­ben zu las­sen und Dich auf die­ses fie­se Ding hier unter­su­chen zu las­sen. https://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%A4uferknie Wür­de mich nicht wun­dern. Aber sonst erst mal: viel, viel Spaß!

    • Jenny

      Dan­ke. :)

      Ja, das ist eine Fehl­stel­lung, sprich: Man kann nichts dage­gen tun, außer die inne­ren Ober­schen­kel­mus­keln zu trai­nie­ren, damit die Patel­la bes­se­ren Halt bekommt. Kommt dem Läu­fer­knie aber recht nahe, lei­der schon im »Urzu­stand«. :( Ich wer­de das mal wei­ter beobachten.

    • Ich hab ja, was das Knie angeht, mit einer Pila­tes­rol­le unglaub­lich gute Erfah­run­gen gemacht. Die lockert das Gewe­be um die Mus­keln her­um auf und sorgt dafür, dass alles etwas geschmei­di­ger wird. Scha­det auf kei­nen Fall – und hilft viel­leicht zusätzlich?

  4. Huhu,
    beim Stutt­gart­lauf die­ses Jahr habe ich auch vor zu star­ten :D
    Wobei ich bis­her die Halb­ma­ra­thon-Stre­cke nicht mal ansatz­wei­se geschafft habe (aber man darf ja ein wenig träumen…).

    Viel­leicht sieht man sich ja :D

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