Jenny vs. Brautkleid.

Seit letz­ten Frei­tag prah­le ich tag­täg­lich damit, dass ich ein kilo­schwe­res Kleid tra­gen konn­te ohne dabei umzu­fal­len. Es ging näm­lich das ers­te Mal auf die Suche nach dem per­fek­ten Braut­kleid – irgend­je­mand Schlau­es hat mir mal erzählt, man kön­ne nicht früh genug damit anfangen.

Ich habe mir bis jetzt nie vie­le Gedan­ken über mein Hoch­zeits­kleid gemacht, war­um auch, war ja nie ein The­ma. Ich sehe das auch eher prak­tisch: Man braucht ein Kleid, das gut aus­sieht und in dem man ohne Pro­ble­me lau­fen kann, ohne dabei alles umzu­wer­fen. Des­we­gen kam für mich in ers­ter Linie auch ein kur­zes Kleid in Fra­ge – ich will mich im August weder zu Tode tra­gen noch per­ma­nent schwit­zen, des­we­gen habe ich ein pom­pö­ses Kleid mit brei­tem Unter­rock und viel Tam­tam schon kate­go­risch ausgeschlossen.

Man­che machen bei der Anpro­be ein rich­ti­ges Ritu­al draus mit Sekt trin­ken, Salz­stan­gen fut­tern und heu­len, wenn die Braut plötz­lich das rich­ti­ge Kleid gefun­den hat. Wenn alle heu­len, ist es defi­ni­tiv das rich­ti­ge. Ich bin da lei­der etwas weni­ger emo­tio­nal ver­an­lagt, aber ich geh zum Heu­len auch in den Kel­ler. Den Sekt und die Salz­stan­gen nehm ich aber immer gerne.

Das Braut­ge­schäft, in dem wir letz­ten Frei­tag waren, befand sich direkt am Rote­bühl­platz gegen­über vom Besi­tos, damit wir es nach der Anpro­be nicht weit bis zu den Cock­tails und dem Essen hat­ten. Eine älte­re Dame emp­fing uns, wies uns auf unse­re Plät­ze und ich schlen­der­te mit ihr durchs Geschäft, um die ers­ten Klei­der aus­zu­su­chen. Nach­dem wir eini­ge Exem­pla­re gefun­den hat­ten, ging es ab in die Kabi­ne, ich bekam ein paar Pumps im Oma-Look und erst viel spä­ter raff­te ich, dass ich mich von der Dame auch an- und aus­zie­hen las­sen soll­te. Anfangs frag­te ich mich wozu. Als ich aller­dings das gan­ze Zeug, dass man da tat­säch­lich an- und aus­zie­hen muss­te, sah, war’s mir klar – ich wäre sonst wahr­schein­lich regel­mä­ßig kopf­über aus der Umklei­de gefallen. 

Kei­nes der Klei­der war ein Tref­fer. Meis­tens waren sie so geschnit­ten, dass mei­ne Figur ungüns­tig betont wur­de. Oder es dann zwar pass­te und toll aus­sah, aber das gewis­se Etwas fehl­te. Irgend­wie woll­te bei kei­nem Kleid der Fun­ke so recht über­sprin­gen. Und so wie ich es immer wie­der mit­be­kam, muss man bei dem rich­ti­gen Kleid wohl nicht lan­ge drü­ber nach­den­ken: ent­we­der ist es das rich­ti­ge oder nicht (hier seuf­zen ein­fü­gen). Heu­len (Kel­ler) oder nicht.

Da ich dann schon mal da war habe ich mich von mei­nen Freun­din­nen auch über­re­den las­sen, ein paar lan­ge Klei­der anzu­pro­bie­ren, man kann ja nie wis­sen, viel­leicht ist es ja doch nicht so schlimm wie befürch­tet. Eines sah sogar rich­tig toll an mir aus, voll gra­zil und edel, mit den gan­zen Per­len, dem hüb­schen tail­lier­ten Bereich und dem wei­ten Rock. Die Elfen­haf­tig­keit ging aber dann mit dem ers­ten Schritt aus der Kabi­ne ver­lo­ren, weil ich mit mei­nen Füßen stän­dig auf den Saum trat und es mich fast auf die Fres­se legte.

»Wenn ich schon so nicht rich­tig damit lau­fen kann, wie sieht das erst mal nach fünf Schnäp­sen aus?«, frag­te ich die Ver­käu­fe­rin. Sie schüt­tel­te nur hilf­los mit dem Kopf und zuck­te die Ach­seln. Mei­ne Freun­din R. war den Trä­nen nahe (ich glau­be, vor Freu­de). Pisa P. unentschlossen.
Abge­se­hen davon, dass ich damit wahr­schein­lich über­all hän­gen blei­be, nicht rich­tig tan­zen kann und das Wett­ren­nen zum Buf­fet nicht mit dem ers­ten Platz bele­ge, ist so ein lan­ges, edles Kleid ein­fach nichts für mei­nen Typ. Ich fühl­te mich rest­los ver­klei­det. Wäre okay für Fasching. Aber damit war das The­ma »fet­tes Hoch­zeits­kleid« auch end­gül­tig abgehakt.

Für einen ers­ten Ter­min war es für jeman­den, der kei­ne kon­kre­te Vor­stel­lung hat, wirk­lich hilf­reich. Ich weiß jetzt, dass Cin­de­rel­la-Klei­der tat­säch­lich nichts für mich sind, rein aus prak­ti­schen Grün­den. Und ich weiß jetzt unge­fähr, was geht, was so gar nicht geht, dass mei­ne Hüf­te in bestimm­ten Klei­dern fünf Meter breit aus­sieht und was »tan­ning« bedeutet.

Mal sehen, was der nächs­te Ter­min so bringt, da geht es ins Braut­haus. Die haben so viel Aus­wahl, da muss dann ein­fach was dabei sein. Und dann könn­ten wir einen wei­te­ren, zuge­ge­ben ange­neh­men, orga­ni­sa­to­ri­schen Punkt bis zur Hoch­zeit von der Lis­te streichen.

28 Comments

  1. Manch­mal will ich heu­len wegen dei­nen gei­len Formulierungen. :-)

    Aber die viel wich­ti­ge­re Fra­ge: Was kos­tet so ein Kleid pro Kilo?

    • Ich gehe hob­by­mä­ßig an Braut­ge­schäf­ten vor­bei spa­zie­ren (es lie­gen tat­säch­lich zwei auf Wegen, die ich regel­mä­ßig gehe) und kann daher sagen: Es kommt nicht nur auf die Mas­se an Kleid an, son­dern auch auf den Des­gi­ner und ob du es aus der Vor­sai­son nimmst oder nicht.

      Klei­der, die du in Schau­fens­tern siehst, lie­gen preis­lich meis­tens (zumin­dest in Leip­zig) zwi­schen 200 und 800€ – einen Trend, dass bestimm­te Formen/Schnitte beson­ders teu­er sind, konn­te ich dabei nicht feststellen.

    • Jenny

      Ja, da kann ich mich Chris­tin nur anschließen.
      Aus einer Kol­lek­ti­on sind die üppi­gen Klei­der aber doch schon teu­rer als die kurzen.

  2. Ich glau­be, ich bin zu prag­ma­tisch für Braut­klei­der. Sowohl für mei­nen Abi­ball als auch die Hoch­zeit mei­ner Schwes­ter habe ich Klei­der für rund 35€ getra­gen – und irgend­wie gefällt mir ein Kleid, nur weil’s 10mal so viel kos­tet nicht 10mal so gut.

    Aber das The­ma Hoch­zeit ist hier ja eh vom Tisch \o/

    • Jenny

      Ja, so seh ich’s halt auch. Dafür, dass man es nur einen Tag lang trägt und danach meis­tens nie wie­der ist es natür­lich ein ordent­li­cher Preis.

      Wie­so?

    • Weil wir uns einig sind, dass wir nicht hei­ra­ten möchten.

      Manch­mal hab ich die merk­wür­di­ge Anwand­lung, über­ro­man­ti­sche Din­ge mit A zu tun und dabei ein Kleid zu tra­gen – aber dafür brauch ich kei­ne Hochzeit.

    • Jenny

      Dafür braucht man weder das eine noch das andere.

  3. jeannie

    Ich glau­be, als Braut musst du kei­ne Wett­ren­nen veranstalten

  4. R.

    Für mich per­sön­lich war es gera­de das schö­ne dar­an, end­lich einen Anlass zu haben, ein traum­haf­tes, pom­pö­ses Kleid zu tra­gen. Aber jeder ist da natür­lich anders gestrickt.
    Auch das Tan­zen hat super geklappt und selbst wenn nicht so, hät­te es das Fee­ling, das ich in mei­nem Kleid gehabt hab, trotz­dem nie­mals getoppt.

    Dein Arti­kel­bild find ich übri­gens spit­ze! Und ja, das pas­sen­de Jen­ny-Kleid war nicht dabei. Aber für den nächs­ten Ter­min sind wir opti­mis­tisch :D Und dann hof­fent­lich auch mit Sekt! u_u

    • Jenny

      Du sahst auch fan­tas­tisch aus in Dei­nem Sah­ne­häub­chen. :love
      Dan­ke. Und ja, ich hof­fe auch auf Sekt. Alles muss man sel­ber machen. \o/

  5. Ich bit­te dei­nen Freun­din­nen die nächs­te Anpro­be zu fil­men und nach der Hoch­zeit online zu stel­len. :D

    • ohja! :D Bit­te bit­te :D

      Macht man Ter­mi­ne aus, um Klei­der anzu­pro­bie­ren? Ich dach­te, man geht spon­tan hin und pro­biert was an. So wie beim Shop­pen halt. 

      Übri­gens bin ich da wie du, Jen­ny, mit den Gedan­ken machen übers Hoch­zeits­kleid. Vie­le sagen ja, sie wüß­ten schon seit ihrer Kind­heit, was sie anzie­hen und wie die Hoch­zeit wer­den soll etc. Komisch. Ich hab nie dar­über nach­ge­dacht. Auch jetzt nicht (bin ja noch nicht mal ver­lobt!). Mein Freund will eh nur stan­des­amt­lich hei­ra­ten, von daher wird’s kein wei­ßes Kleid für mich geben. Bäh.

    • Jenny

      Aha­h­a­h­a­ha!
      Nein.

      Ja, für Braut­klei­der macht man Ter­mi­ne aus, allein schon, weil man sich dafür schon min­des­tens ein bis zwei Stun­den Zeit neh­men muss, das lässt sich spon­tan nicht immer unterkriegen.

      Ach, es gibt auch schi­cke, wei­ße fürs Standesamt.

  6. In die­sem hüb­schen Köln gibt es übri­gens einen ganz net­ten Laden für Braut­klei­der ohne kras­sen von-der-Stan­ge-Look. Voi­là: http://www.labude-koeln.de/kategorie/hochzeit/kollektion-2014 <3

  7. Kann frau das Kleid dann auch nach der Hoch­zeit zu ande­ren Anläs­sen tra­gen? Von wegen prak­ti­sche Sichtweise. 

    Oder es kommt in einen Kar­ton, um es dann nach 25 Jah­ren wie­der raus­zu­ho­len, den Kin­dern jam­mernd unter die Nase zu rei­ben mit den Wor­ten: »Damals habe ich da ja locker rein­ge­passt. Und das wür­de ich heu­te noch, jawohl. Aber dann kamt ja ihr!« ;-)

    • Jenny

      Kommt wahr­schein­lich auf das Kleid an, vie­le las­sen sich ja auch ein­fär­ben. Je nach Schnitt kann man es bestimmt mal wie­der tragen.

      Letz­te­res kann ich Dir dann (noch) nicht sagen. ;-)

  8. Novemberwolke

    Köln scheint das Mek­ka der Braut­klei­der zu sein, da gibts näm­lich noch einen net­ten Laden: http://www.noni-mode.de/

  9. »War­um woh­ne ich nicht in Köln?«

    Das frag­ten sogar neu­lich schon der Express und die Ver­ei­ni­gung der Köl­ner Schnaps­bren­ner. Wir haben sogar ein Pommes-Eetcafé.

  10. Mona

    :) Viel Erfolg beim Klei­der­kauf, Jen­ny! Und vor allem viel Spaß :)
    Hof­fe dich glück­lich strah­lend in die­sem Kleid (wie es auch immer aus­se­hen mag) sehen zu dürfen :)

  11. Ich find das immer noch voll unre­al, dass du hei­ra­ten wirst xD ich weiß auch nicht wie­so! Aber ich finds toll und wär glaub ich gern dabei gewe­sen, haha :D Ich weiß auch schon rela­tiv genau was ich bei mei­nem Hoch­zeits­kleid haben will (nicht dass ich irgend­wie gefragt wur­de oder so) – aber es darf nicht kurz sein (haha) und auf kei­nen Fall ärmel­los (ich zup­pel mir doch nich stän­dig überm Busen rum oder freu mich über Quel­l­ar­me bei Fotos von Hin­ten – und die Ärmel müs­sen nich lang sein, aber so durch­sich­ti­ger Stoff mit Blü­ten oder so… toll wäre es, wenn die Schlei­fe hin­ten irgend­wie far­big ist (tür­kis oder so) und ne klei­ne klei­ne mini Schlep­pe :D hach!

    • Jenny

      Ja, ich auch nicht. Ich kann’s selbst noch nicht so rich­tig fas­sen. Aber im Grund ändert sich dadurch ja nicht viel. :)

      »… (nicht dass ich irgend­wie gefragt wur­de oder so) …«
      Hahaha.

  12. Mei­ne ver­hei­ra­te­ten Freun­din­nen haben ihre Klei­der alle anpas­sen las­sen. Also Län­ge kür­zen, Trä­ger ran und weg, enger oder wei­ter machen las­sen usw. Das per­fek­te Kleid von der Stan­ge scheint’s wohl so gut wie nie zu geben. Wich­ti­ger ist, dass es einem vom Stil her gefällt. Oft haben die­se Fest­tags-/Braut­mo­de­lä­den eine eige­ne Schnei­der­ab­tei­lung, die recht güns­tig Ände­run­gen machen. Mein letz­tes Abend­kleid habe ich für nur 20–30 € Auf­preis anpas­sen las­sen. Das ist echt nichts für den Auf­wand, der dahin­ter steckt. Ich wünsch dir viel Erfolg bei der Suche! Zeigst du uns dein Kleid nach der Hoch­e­zit? Wir sind ja alle ziem­lich neu­gie­rig. ;-)

    • Jenny

      Ja gut, Län­ge kür­zen, enger oder wei­ter machen las­sen sind für mich jetzt kei­ne radi­ka­len Ände­run­gen son­dern Din­ge, die sowie­so immer anfallen.

      Mer­ci! Aber klar doch.

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