Mein erster Halbmarathon: der Stuttgart Lauf 2014.

Ich weiß noch, als ich vor ein­ein­halb Jah­ren mit dem regel­mä­ßi­gen Lau­fen anfing und mir vor­nahm, im sel­ben Jahr gleich einen Halb­ma­ra­thon lau­fen zu wol­len (typisch ich, wenn, dann halt gleich rich­tig). Nach mei­nen ers­ten ein­und­zwan­zig Kilo­me­tern beim Stutt­gart Lauf letz­ten Sonn­tag bin ich ziem­lich froh dar­über, dass es nicht geklappt hat: wahr­schein­lich hätte ich mich in den kör­per­li­chen Ruin gerannt. -.-

Eigent­lich wollte ich schon im Januar mit dem Trai­ning anfan­gen, aller­dings hatte ich eine Seh­nen­ver­stau­chung im lin­ken Knö­chel, eine rela­tiv lange Rege­ne­ra­ti­ons­pause und danach konnte ich mich nicht rich­tig auf­raf­fen. Im April lief ich dann das erste Mal wie­der pflicht­be­wuss­ter nach Trai­nings­plan, aller­dings ließ ich mich hier und da von mei­nem inne­ren Schwein­hund über­wäl­ti­gen. So rich­tig regel­mä­ßig hat es dann erst im Juni geklappt – also einen Monat vor dem Lauf. Bes­ser spät als nie und so, des­halb erwar­tete ich auch kein Wun­der­werk, was eine bestimmte Zeit anging. Im Nach­hin­ein hat es mich natür­lich geär­gert, da ich wirk­lich ein bes­se­res Ergeb­nis hätte erzie­len kön­nen. Da der erste Halb­ma­ra­thon aber eher unter dem Motto »Haupt­sa­che ankom­men« lief, war es doch nur halb so wild.

Das Wet­ter war für mich wie gemacht: Ich laufe am liebs­ten abends oder nachts, im Som­mer pri­mär der Tem­pe­ra­tur wegen, des­we­gen waren der bewölkte Him­mel und die küh­len acht­zehn Grad die per­fekte Grund­lage für einen guten Lauf. Um halb sechs stand ich auf, um alles zu erle­di­gen, was erle­digt wer­den muss (Früh­stück, mit dem Hund raus, die wich­tigs­ten Sachen ein­pa­cken), danach bin ich los zur Hanns-Schleyer-Halle, um meine Start­un­ter­la­gen abzu­ho­len.

Ich, vor dem Lauf.

Als ich den Chip und meine Start­num­mer an mir befes­tigt hatte, bin ich los zu mei­nem Start­block, wel­cher der letzte war, da ich keine Ziel­zeit ange­ge­ben hatte. Auf meine Hand krit­zelte ich mir die Zwi­schen­zei­ten für meine Ziel­zeit – zwei Stun­den und drei­ßig Minu­ten – um eine grobe Ori­en­tie­rung zu haben. Da ich nur mit Uhr lief, ohne GPS, bezie­hungs­weise Run­Kee­per um die Stre­cke zu tra­cken, war das ganz hilf­reich.

Etwa zwan­zig Minu­ten nach dem offi­zi­el­len Start­schuss für den ers­ten Block um neun lief der letzte Start­block los, und ich ermahnte mich, ein­fach gemüt­lich los­zu­lau­fen ohne zu het­zen. Die ers­ten paar Kilo­me­ter gin­gen nach Unter­türk­heim und mit einer Schleife dann zurück in Rich­tung Max-Eyth-See.

Bis Kilo­me­ter sie­ben lief ich ganz nach mei­nen auf­ge­zeich­ne­ten Zei­ten, was ohne Pro­bleme funk­tio­nierte, als es dann bergab ging, holte ich ganze zwei Minu­ten Vor­sprung raus, den ich dann irgend­wann auf drei Minu­ten aus­baute und so kon­se­quent hielt.

Als ich fast die Hälfte der Stre­cke hin­ter mir hatte, fing es plötz­lich an, leicht zu tröp­feln. Prin­zi­pi­ell habe ich nichts gegen leich­ten Regen bei sonst war­men Wet­ter, aller­dings goss es irgend­wann so rich­tig aus Kübeln. War anfangs echt super­geil, weil man ja schon ordent­lich schwitzt und so, aber irgend­wann nur noch läs­tig, weil die gan­zen Kla­mot­ten nass und schwer waren – vor allem die Lauf­schuhe.

Trotz­dem ging die erste Hälfte gefühlt schnel­ler um, als erwar­tet; ich hatte noch mal einen ordent­li­chen Moti­va­ti­ons­schub und holte wie­der ein biss­chen Zeit raus. Alles danach kann ich nicht mehr nach­voll­zie­hen, weil der ganze Regen meine Zwi­schen­zei­ten auf der Han­din­nen­flä­che unles­bar gemacht hatte. Der iPod Shuf­fle gab par­al­lel auch lang­sam den Geist auf, der hef­tige Regen hatte ihm wohl sehr zuge­setzt.

Als ich die Fünf­zehn-Kilo­me­ter-Marke knackte, dachte ich mir: »Krass, jetzt bist Du dabei, Deine bis­her wei­teste Stre­cke zu lau­fen!« Aller­dings waren meine Beine alles andere als begeis­tert davon, ich spürte schon, wie mir der linke Ober­schen­kel immer wie­der ver­krampfte. Und wäh­rend ich bis zu Kilo­me­ter 17 wirk­lich kon­se­quent ohne Geh­pau­sen durch­lau­fen konnte (wor­auf ich übri­gens sehr stolz bin!), ging das plötz­lich nicht mehr – die Schmer­zen waren beim Lau­fen immer wie­der zu stark. Also legte ich fortan alle paar Meter eine Geh­pause ein, um mein Bein kurz zu lockern.

Kilometer 20, my ass.

Als es irgend­wann Rich­tung Ziel ins Mer­ce­des-Benz-Arena ging, stellte sich bei mir lang­sam das Glücks­ge­fühl ein, von dem alle Läu­fer oft spre­chen: beim Betre­ten des Sta­di­ons war ich plötz­lich so über­wäl­tigt, dass ich es fast geschafft hatte – ich musste sogar vor Glück erst mal ein paar Trän­chen ver­drü­cken. Lei­der ging das alles nicht so prima auf ein­mal, ich ver­suchte also gleich­zei­tig zu heu­len, wei­ter­zu­lau­fen und irgend­wie zu atmen, dar­aus resul­tierte, dass ich komi­sche Sounds von mir gab, die meine Mit­läu­fer neben mir irgend­wie ver­stör­ten. Des­halb beschloss ich, mei­nen Emo­tio­nen nach dem Pas­sie­ren der Ziel­li­nie zu fröh­nen.

Mit einer Zeit von 2:25:32 erreichte ich das Ziel, pumpte mir danach erst mal fri­sches, alko­hol­freies und iso­to­ni­sches Bier in den Kör­per (total gut, danach ver­gaß ich auch, vor Freude zu heu­len – wahr­schein­lich Kom­pen­sa­tion oder so), um mir dann meine Medaille abzu­ho­len. Ich war irgend­wie über­glück­lich, sau­hung­rig und mir war unglaub­lich kalt, weil meine Kla­mot­ten immer noch patsch­nass waren. Aber ich hatte es geschafft.

tl;dr
Rück­bli­ckend kann ich sagen, dass es wirk­lich ein tol­les Gefühl war, den Halb­ma­ra­thon des Stutt­gart Laufs mit­er­le­ben zu kön­nen (die Stre­cke eig­net sich auch wirk­lich für jeden, der das erste Mal einen Halb­ma­ra­thon läuft, sie ist rela­tiv eben, mit nur weni­gen Stei­gun­gen) – und ich habe gemerkt, dass sich jede Trai­nings­ein­heit ein­fach nur gelohnt hat. Vor allem hätte ich nicht gedacht, dass es am Ende nicht von mei­ner Kon­di­tion abhängt, son­dern eben, dass mein Kör­per so viele Kilo­me­ter nicht gewohnt war. Wenn ich mir über­lege, dass ich vor drei Mona­ten nach einer lan­gen Pause mit viel Sei­ten­ste­chen und einer Stre­cke von drei, vier Kilo­me­tern ange­fan­gen habe, und nun den Halb­ma­ra­thon geschafft habe, bin ich schon ein klein wenig stolz. Und ange­fixt.

Der nächste Halb­ma­ra­thon kommt – Ende Sep­tem­ber in Ulm mit der tol­len Neele. Ab heute, nach einer Woche Pause, fängt das Trai­ning wie­der an, um dann hof­fent­lich eine bes­sere Zeit zu schaf­fen. Und wäh­rend ich die letz­ten drei Monate wirk­lich nur Wert auf Aus­dauer gelegt habe, fange ich par­al­lel wie­der mit dem Kraft­trai­ning an, um alles sport­tech­nisch abzu­run­den. Auf ein Neues!

13 thoughts on “Mein erster Halbmarathon: der Stuttgart Lauf 2014.

  1. Ich bin so stolz auf dich ;_;
    Ganz toll, wirk­lich! Und ja, ich erin­nere mich auch noch an die total Sport-ist-Mord-Jenny und daher ist es umso schö­ner, dich jetzt so zu erle­ben! ;_;

  2. So cool!

    Weil meine Beine beim Lau­fen echt Pro­bleme machen, hab ich alles über 10km aus mei­ner Vor­stel­lungs­welt ver­scho­ben. Mein nächs­tes Ziel ist ein 8km-Hin­der­nis­lauf im Sep­tem­ber, für den ich mal trai­nie­ren sollte.

  3. Oh, das klingt doch nach einem wun­der­ba­ren HM-Debüt! Herz­li­chen Glück­wunsch! :)

    Ich find’s wit­zig, wie ähn­lich wir uns da sind – ich muss vor Wett­kämp­fen auch rela­tiv zei­tig raus, eben weil der Hund vor­her noch Gassi bzw. Waldi gehen will. und von der Ziel­zeit her sind wir uns auch recht ähn­lich. ^^

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