Sommernachtslauf München 2014.

Letz­ten Frei­tag bin ich mor­gens mit der Bahn von Stutt­gart nach Mün­chen gefah­ren, um am sel­ben Abend am Som­mer­nachts­lauf teil­zu­neh­men. Nach mei­nem Halb­ma­ra­thon habe ich beschlos­sen, mög­lichst jeden Monat einen klei­nen Lauf, heißt um die zehn Kilo­me­ter, zu absol­vie­ren – sozu­sa­gen als klei­ne »Zwi­schen­mo­ti­va­ti­on« zu den gro­ßen Zie­len. Der Som­mer­nachts­lauf selbst fand im Olym­pia­park in Mün­chen statt und erstreck­te sich über eine Stre­cke von zehn Kilo­me­tern; aller­dings hat­te man auch die Mög­lich­keit, nach sechs Kilo­me­tern schon ins Ziel zu lau­fen. (So wie ich das gemacht habe. Aus Versehen.)

Ich freue mich ehr­lich gesagt immer, wenn ich mal in einer ande­ren Stadt zum Lau­fen kom­me: Immer die glei­che Stre­cke ent­lang zu lau­fen, ist irgend­wann ziem­lich lang­wei­lig. Um Stutt­gart-Nord bin ich qua­si schon durch alle benach­bar­ten Stadt­be­zir­ke durch­ge­joggt und könn­te wahr­schein­lich frei Kopf ’ne Kar­te der Umge­bung zeichnen.

Das Wet­ter am Abend war ganz ange­nehm: nicht zu kalt, aber doch ein biss­chen wär­mer, als es für mei­nen beschei­de­nen Geschmack hät­te sein müs­sen. Ich hol­te mei­ne Start­num­mer (mit der sen­sa­tio­nel­len Zah­len­ab­fol­ge »345«) und war­te­te noch eine hal­be Stun­de bis zum Start­schuss. In der Zeit ärger­te ich mich pri­mär ob mei­nes auf­ge­brauch­ten Daten­vo­lu­mens, als dass ich tat­säch­lich irgend­wie sur­fen konn­te. Außer­dem aß ich eine Bana­ne, aber das nur am Rande.

Fast 1.200 Läu­fer star­te­ten um 19.30 Uhr. Es ging ein Mal um den Sport­platz, dann durch einen engen Aus­gang nach drau­ßen. War eher so ein Sar­di­nen­büch­sen-Fee­ling als ange­neh­mes Durch­lau­fen, jeden­falls kei­ne Ahnung, was man sich dabei denkt, wenn man so was konzipiert.
Nach­dem die ers­ten zwei Kilo­me­ter schön flach waren, ging es auf den Olym­pia­berg – mit fast 60 Metern immer­hin eine der höchs­ten Erhe­bun­gen Mün­chens. Rich­tig steil war es zwar nicht, aber län­ge­re Zeit berg­auf zu lau­fen kann auch ganz schön anstren­gend sein, vor allem, wenn man in den Trai­nings­ein­hei­ten an den Stel­len sonst ger­ne mal eine Geh­pau­se einlegt.

Jenny beim Sommernachtslauf

Nach der Erklim­mung ging es auch wie­der ordent­lich berg­ab und anschlie­ßend zurück auf den Sport­platz, wo man mit Geträn­ken ver­sorgt wur­de und ich par­al­lel gleich eine Geh­pau­se ein­leg­te, die ich auch etwas aus­dehn­te, weil mir ein­fach furcht­bar warm war (jaja, ich weiß, ich wie­der­ho­le mich, ich Mem­me). Man hat­te hier jetzt die Opti­on, ent­we­der noch mal eine klei­ne Run­de zu dre­hen oder direkt ins Ziel zu lau­fen. Ich woll­te zwar die zehn Kilo­me­ter voll machen, merk­te aber, dass ich falsch abge­bo­gen war und steu­er­te mit gro­ßer Ver­wun­de­rung und einem »Hä?«-Blick durchs Ziel. Vie­le Grü­ße an der Stel­le an mei­ne Koor­di­na­ti­on, die mei­nen Bein­ap­pa­rat und Ori­en­tie­rungs­sinn in dem Moment wohl just nicht mit­ein­an­der ver­kup­peln konnte.

Ich war zuge­ge­be­ner­ma­ßen etwas per­plex, aller­dings ging es ein paar ande­ren Leu­ten auch so, so dass ich mich nicht ganz allei­ne blöd fühl­te, als ich völ­lig des­ori­en­tiert den Platz rund ums Ziel frei­mach­te. Ich ärger­te mich in ers­ter Linie dar­über, dass ich vor dem Ziel­ein­lauf eine län­ge­re Geh­pau­se ein­ge­legt hat­te – dann wär’s wenigs­tens noch eine bes­se­re Zeit gewor­den. Aber okay, war jetzt ja nicht wirk­lich geplant. Ande­rer­seits war ich auch ein biss­chen froh, kein zwei­tes Mal den Berg erklim­men zu müs­sen. Mein abschlie­ßen­der Gedan­ke war: »Hof­fent­lich hast Du für die sechs Kilo­me­ter nicht zu viel Anmel­de­ge­bühr bezahlt.« Sechs Kilo­me­ter! Irgend­wie ein Witz.

Menschen mit roten Anzügen

Ich check­te im Anschluss mei­ne Zeit, die immer­hin 00:35:42 betrug, wor­aus ein Pace von 5:57 pro Kil­me­ter res­lu­tiert. Für mich also wirk­lich schnell – außer­halb des Sech­ser-Bereichs. Da ich aber in Wett­kämp­fen meis­tens sowie­so schnel­ler bin als im Trai­ning, eigent­lich nicht son­der­lich überraschend. 

Mei­ne Mut­ter, die die Zeit sinn­voll nutz­te und wäh­rend mei­nes Laufs ein­kau­fen war (ich hät­te mich an ihrer Stel­le hem­mungs­los mit Essen voll­ge­stopft), staun­te auch nicht schlecht, als ich schon vor­zei­tig anrief und abge­holt wer­den woll­te. Und als ich ins Auto ein­stieg, beschloss ich ein­fach, mich über die gute Zeit zu freu­en und mei­ne Ori­en­tie­rungs­lo­sig­keit mit einer weg­wer­fen­den Hand­be­we­gung aus mei­nem Gedächt­nis zu verbannen.

Ich nen­ne die Bil­der­stre­cke lie­be­voll: »War­um in die Kame­ra lächeln, wenn man auch weg­schau­en kann?«

6 Comments

  1. Jiha… Ist doch super… also in Ham­burg ist am 7.9 der Als­ter­lauf mit 10 Kilometern :)

  2. Wie läuft es sich eigent­lich so mit Brille?

    Für alle Akti­vi­tä­ten, bei denen ich die Bril­le echt defi­ni­tiv über­haupt gar nicht ver­lie­ren möch­te, habe ich ein Neo­pren­band, mit dem ich die Bril­le fixie­ren kann. Das ist jetzt nicht opti­mal, weil ich das Band nicht zu eng stel­len kann, sonst kol­li­die­ren Bril­len­glas und Wim­pern beim Blin­zeln. Aber bes­ser, als wenn die Bril­le beim Vol­ley­ball durch die Hal­le oder beim Klet­ter­steig mal eben die Fels­wand run­ter segelt.
    Aber lau­fen kann ich mir mit Bril­le nicht vor­stel­len, weil sie auch im All­tag schon ziem­lich rutscht.

    • Jenny

      Ganz okay. Wenn es nicht so warm ist oder die Stre­cke über 10 Kilo­me­ter geht, las­se ich die auf, weil ich Kon­takt­lin­sen nicht mag. Die rutscht so weit eigent­lich nicht arg run­ter, jeden­falls nicht so, dass es mich ner­ven wür­de. Bei so kur­zen Stre­cken tra­cke ich auch mit dem Han­dy mit, beim Halb­ma­ra­thon habe ich das Han­dy kom­plett weg­ge­las­sen und auf den iPod Shuf­f­le zurück­ge­grif­fen. Ist auch oft ’ne spon­ta­ne Sache, wie ich mich da entscheide.

  3. Oh, das mit dem ver­se­hent­li­chen Ziel­ein­lauf ist ja ärger­lich. :/ Aber auf die Zeit kannst du trotz­dem stolz sein – gera­de, weil du ja Geh­pau­sen ein­ge­legt hast!

    So einen Fla­schen­hals direkt nach dem Start gibt es hier in Lever­ku­sen beim EVL-10er auch… man star­tet auf einem Sport­platz und wenn man dann gera­de ange­trabt ist, stoppt der gan­ze Pulk wie­der, weil meh­re­re Hun­dert Läu­fer durch ein 2m brei­tes Tor müs­sen. >.<

totop