Über Milch und Kühe.

Milchkuh-Illustration

Der Mann und ich gehen unglaub­lich ger­ne essen. Vor län­ge­rer Zeit waren wir in einem klei­nen, aber fei­nen ita­lie­ni­schen Restau­rant, abseits von den gan­zen »Piz­za-Pas­ta-Ita­lie­nern«, wie wir sie ger­ne nen­nen. Das Restau­rant hat­te sich auf Gerich­te aus der Tos­ka­na spe­zia­li­siert, die sich aber – nach einem prü­fen­den Blick auf die Spei­se­kar­te – wirk­lich schwer vega­ni­sie­ren oder gar vege­ta­ri­sie­ren ließen.

Ich gehe mit mei­ner Essen­s­ein­stel­lung nie­mals hau­sie­ren, weil die Chan­ce rela­tiv groß ist, dass Gesprä­che am Ende nicht son­der­lich pro­duk­tiv sind und schlech­te Stim­mung ver­brei­ten, ganz egal, wie neu­tral ich mich verhalte.
Der Kell­ner frag­te uns also, ob wir was gefun­den hät­ten, und der Freund mein­te: »Ich schon, aber für mei­ne Freun­din wird’s als Vega­ne­rin etwas schwie­rig.« Und dann war ich also auch doch schon mit­ten im Gespräch, aus Versehen.

Ich freue mich im Grun­de, wenn Men­schen Inter­es­se zei­gen, weil mir das demons­triert, dass kei­ne kom­plet­te Ableh­nung da ist. Der Kell­ner frag­te mich dann natür­lich: »Auf Fleisch ver­zich­ten, okay – aber vegan?« Und als ich ihm die Sache mit den Kühen und Hüh­nern erzähl­te, erwi­der­te er: »Aber Kühe, die geben doch sowie­so immer Milch?«

Prin­zi­pi­ell hat er da Recht, Milch­kü­he geben tat­säch­lich ihr Leben lang Milch, zumin­dest so lan­ge es sich für den Milch­be­trieb lohnt. Aller­dings nicht »ein­fach so«, son­dern weil sie befruch­tet wer­den, und das meis­tens künst­lich, nicht natürlich.
Ich bin sowie­so erstaunt, dass so vie­le Men­schen davon über­zeugt sind, dass Kühe »ein­fach so« Milch geben, ohne auf den Gedan­ken zu kom­men, dass Kühe – wie wir – Säu­ge­tie­re sind. Und die Milch nicht für uns, son­dern für ihre Käl­ber pro­du­zie­ren. Eigentlich.

Das Schick­sal der Milch­kuh ist nach der Geburt auch besie­gelt: Sie wird die fünf, sechs Jah­re (eigent­lich wer­den sie etwa zwan­zig Jah­re alt), die sie »ren­ta­bel ist«, per­ma­nent geschwän­gert, damit sie Milch geben kann. Die Käl­ber wer­den dann nach nur weni­gen Tagen von der Mut­ter weg­ge­nom­men und iro­ni­scher­wei­se mit einem »Ersatz­ge­tränk« auf­ge­zo­gen, so dass der Mensch die Milch trin­ken kann. Die weib­li­chen Käl­ber wer­den eben­falls zu Milch­kü­hen her­an­ge­zo­gen, die männ­li­chen sind »nutz­los« und wer­den nach weni­gen Mona­ten nach aus­rei­chen­der Mäs­tung geschlach­tet. Die Kühe lei­den übi­gens sehr unter der Tren­nung von ihren Käl­bern, wie man unter ande­rem im unte­ren Video sehen kann (abso­lut schockbilderfrei).

Und auch, wenn ich alle Milch­pro­duk­te – bis auf fes­ten Käse – erset­zen kann: An so Tagen wie heu­te, an dem mir viel in mei­ner Time­li­ne zum The­ma »Welt­milch­tag« gezeigt wird, bin ich wirk­lich nicht son­der­lich stolz dar­auf, einen Schritt zurück zum Vege­ta­rier­tum gemacht zu haben, weil die Gelüs­te nach Käse eben manch­mal da sind – da hilft auch kein schön­re­den. Trotz­dem ver­su­che ich für mich, den best­mög­li­chen Weg zu gehen.

An dem besag­ten Tag im Restau­rant habe ich dann übri­gens »extra« Spa­ghet­ti in Safran-Toma­ten­so­ße zube­rei­tet bekom­men. Und auch, wenn auf dem Bei­la­gen­sa­lat Par­me­san war (ein Klas­si­ker!) – der extra für mich gemach­te vega­ne Nach­tisch hat’s wie­der wettgemacht.

7 Comments

  1. tb

    Moo.

    (Zitat aus dem Video)

    –tb

  2. Ich muss ganz ehr­lich zuge­ben, dass ich den unbe­ding­ten Zusam­men­hang Kuh = Milch frü­her auch nie hin­ter­fragt habe.
    Eine Kuh gibt Milch. Ist doch ganz klar. Und logisch.
    So wie ein Schwein eben Schin­ken pro­du­ziert und ein Schaf Wolle.
    In vie­ler­lei Hin­sicht wird die­ser Umstand als völ­lig nor­mal und natür­lich dar­ge­stellt. Und der gut erzo­ge­ne Ver­brau­cher hat wenig Anlass, das zu hinterfragen.
    Tat­säch­lich sind die Umstän­de der Milch­pro­duk­ti­on aller­dings wie beschrie­ben haar­sträu­bend und für mei­nen Geschmack nicht zu rechtfertigen.

  3. Frü­her, das heißt noch so vor andert­halb Jah­ren cir­ca, hab ich mich auch nie gefragt, war­um Kühe eigent­lich Milch geben. Ist halt ein­fach so, dafür sind die doch da, oder nicht? Durch Zufall stol­per­te ich damals auf einen Arti­kel, der die Sache sehr sach­lich erklär­te (ähn­lich wie dei­ner!) und ja, um ehr­lich zu sein, ich war scho­ckiert – nicht nur über den Umstand, son­dern auch die Tat­sa­che, dass ich das nicht wusste.
    Irgend­wo hab ich mal gele­sen »Der Mensch ist das ein­zi­ge Tier, das nach dem Säug­lings­al­ter noch Mut­ter­milch trinkt – und es nicht mal die der eige­nen Mut­ter« – das zeigt eigent­lich schon wie absurd das gan­ze ist.

    Ein »Glück« für mich, dass ich Kuh­milch nicht mehr ver­tra­ge. Mei­ne zuneh­men­den Unver­träg­lich­kei­ten waren ein Grund dafür, dass ich mich momen­tan vegan ernäh­re. Aber ich kann dei­ne Gelüs­te nach Käse durch­aus nach­voll­zie­hen =/ (Bei ver­ar­bei­te­ten Milch­pro­duk­ten gehts mit der Verträglichkeit…)

    • Jenny

      Ich hat­te auch eine Zeit lang eine Lak­to­se­into­le­ranz, aber das hat mich nicht wirk­lich davon abge­hal­ten, zudem es ja inzwi­schen vie­le lak­to­se­freie Pro­duk­te gibt. :-/

  4. Mir wur­de das so bei­ge­bracht. Ich kann mich gut dar­an erin­nern, dass ich das mal erfragt habe und man mir dann sag­te: Bei Kühen ist das anders, die geben immer Milch.
    Das war, glau­be ich sogar, auf einem Bau­ern­hof, da war ich 8 Jah­re alt und die Sache mit dem Befruch­ten fand die Bäue­rin wohl etwas zu viel für so ein Kind.
    Ich wuchs ja auch qua­si am Bau­ern­hof auf, der bes­te Freund mei­nes Bru­ders ist Bauernkind.

    • Jenny

      Ja, Kin­dern bringt man vie­les kind­ge­recht bei, aber war­um man das jetzt ver­schwei­gen muss, ist mir schlei­f­er­haft – man kann ja auch sagen: »Wenn eine Kuh ein Baby bekommt, pro­du­ziert sie für das Baby Milch.« Aber ist auch schwie­rig – auch zu erklä­ren, wo das Fleisch her­kommt, ab so einem gewis­sen Alter. Was ich da schon gehört habe, ist echt gru­se­lig, bis hin zu kei­ner Auf­klä­rung und »Fleisch ist halt da«.

      Aber das ver­drängt man halt auch schnell (wir jetzt nicht, aber vie­le ande­re). Und den meis­tens ist es ja sowie­so egal, wo die Milch herkommt.

    • Also ich wüss­te nicht wie man das kind­ge­recht bei­brin­gen könnte.
      Fakt ist doch, dass man der Kuh das Kalb weg­nimmt. Und die Milch auch.
      Schon die Tat­sa­che, von der Mut­ter getrennt zu wer­den, kann doch so ein Kind ver­mut­lich noch am aller­bes­ten nachvollziehen.
      So ein Kälbchen…mit so gro­ßen schwar­zen Augen…dann ganz allei­ne ohne Mama…das ist schon ech­ter Lebens­welt­be­zug für ein Kind.
      Aber damit nicht genug. Dazu die Milch. Die wird auch genom­men. Aber nicht um sie dem Kalb (könn­te es nach der Tren­nung von der Kuh ja nicht direkt trin­ken) dann zu geben, son­dern damit die Men­schen sie trin­ken können.

      Das sind zwei Din­ge, die mei­ner Mei­nung nach das Unrechts­emp­fin­den eines Kin­des stark anspre­chen könnten.
      Damit wür­de man sich in wei­ter­füh­ren­der Kon­se­quenz doch eine Unmen­ge an Vega­nern heranziehen.
      (Und ohne jetzt das gro­ße Ver­schwö­rungs­rad dre­hen zu wol­len, aber) DARAN hat in einer wirt­schafts­ori­en­tier­ten Gesell­schaft, die mit Tie­ren bzw. ihrem Leid und ihrer Tötung das gro­ße Geschäft macht, ja nun wirk­lich nie­mand Interesse…

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