Vegan auswärts essen (ohne dabei zu verzweifeln).

Für sich selbst vegan zu kochen ist ein­fa­cher als außer­halb etwas Vega­nes zu essen zu fin­den. Obwohl sich vie­le Restau­rants durch­aus lang­sam mit der vega­nen Lebens­wei­se anfreun­den und vege­ta­risch meis­tens kein Pro­blem mehr ist (zumin­dest in der Stadt), hat man doch eini­ge Hür­den zu überwinden. 

Prin­zi­pi­ell ist es hier, in Stutt­gart, gar nicht so schwer, etwas Pas­sen­des zu fin­den. Ich habe die Erfah­rung gemacht, dass die Kell­ner und Köche sich ger­ne mit mei­nen Wün­schen aus­ein­an­der­ge­setzt haben und es auch als Her­aus­for­de­rung sehen, abseits der Kar­te zu kochen bzw. abzu­wan­deln anstatt von vor­ne­her­ein abzu­blo­cken. Manch­mal muss man etwas nach­hel­fen (»Hmmm, vegan? Wie wäre es mit Auf­lauf? … Ach ja, Käse, hmm …«), aber im End­ef­fekt klappt es immer. Ich habe daher eini­ge Mög­lich­kei­ten für mich ent­wi­ckelt, mit denen ich gas­tro- und aus­wärts­tech­nisch gut durch­kom­me und auch nicht immer das­sel­be essen muss.

Restaurants mit breiter Auswahl an veganem Essen aussuchen.

Mein selbst zusammengestellter Salat im Dean & David.
Eini­ge Restau­rants haben von Grund auf schon ein breit gefä­cher­tes vega­nes Ange­bot, im asia­ti­schen Bereich zum Bei­spiel. Hier wird eigent­lich nie mit Milch­pro­duk­ten gekocht, wenig mit Ei, dafür gibt es eben auch Din­ge wie Tofu – für vie­le von uns exo­tisch, dort als Stan­dard-Nah­rungs­mit­tel bekannt. Völ­lig pro­blem­los sind alle Arten von Cur­rys (ohne Fleisch, dafür mit Tofu), Gemü­se­sup­pen, Früh­lings­rol­len auf Gemü­se­ba­sis oder gebra­te­ne Nudeln/gebratener Reis ohne Ei.

Ich gehe auch ger­ne in Salat­bars, wo man sich sei­nen Salat selbst zusam­men­stü­ckeln kann (ja, ich und Salat, wer hät­te das mal gedacht!). Alter­na­tiv bie­ten die­se Loca­ti­ons auch oft vega­ne Sup­pen, Wraps oder Pas­ta an.

Gerichte abwandeln und erweitern.

Pizza ohne Käse im Vapiano.
Lei­der gibt es mehr­heit­lich Restau­rants, wo die Aus­wahl rela­tiv beschränkt ist, beim Ita­lie­ner zum Bei­spiel. Klar gibt es dort auch Din­ge, die vegan sind, aber jedes Mal die Nudeln in Toma­te­ne­so­ße zu neh­men ist dann doch irgend­wann nicht mehr so der Brin­ger – des­halb erwei­te­re ich die Gerich­te, die ich ger­ne hät­te, ein­fach mit wei­te­ren Zuta­ten. Ich esse nicht ein­fach nur Nudeln in Toma­ten­so­ße, son­dern fra­ge, wie man das erwei­tern könn­te – mit Zuc­chi­ni, Brok­ko­li oder Ruco­la zum Bei­spiel. Bei Piz­za las­se ich den Käse weg und erset­ze ihn mit Ruco­la und ande­ren Zuta­ten, auf die ich Bock hät­te (Cham­pi­gnons, Ana­nas, Gemü­se) und wür­ze mit etwas Oli­ven­öl, Salz und Pfef­fer nach.

Wenn ich von vor­ne­her­ein weiß, dass ich aus­wärts essen gehe, z. B. in eine Piz­ze­ria mit einer Grup­pe, die alle Piz­za essen wer­den, neh­me ich mir mei­nen Käse ein­fach sel­ber mit (und hier habe ich – ganz neben­bei – mal echt einen guten gefun­den). Somit bekom­me ich mei­ne Piz­za mit Käse, alle ande­ren auch, und alles ist super. Auch über­ba­cke­ne Nudel­ge­rich­te sind dann möglich.

Wenn es wirk­lich kei­ne groß­ar­ti­ge Aus­wahl gibt, wie zum Bei­spiel in einem ame­ri­ka­ni­schen Diner, fra­ge ich oft, ob man bei der Ofen­kar­tof­feln mit Sour Cream die­se nicht ein­fach durch etwas ande­res erset­zen kann, zum Bei­spiel mit gegrill­tem Gemü­se. Hier mache ich schon kon­kre­te Anfra­gen und schaue vor­her in der Spei­se­kar­te, ob es die gewünsch­ten Din­ge schon gibt.

Rich­tig, rich­tig schlimm ist die gän­gi­ge deut­sche Küche, die qua­si nur aus Fleisch und ei- bzw. milch­las­ti­gen Haupt­spei­sen und Bei­la­gen besteht: Schnit­zel, Bra­ten, Spätz­le, Knö­del, Fleisch­so­ße, Rin­der­brü­he. Hier ist es tat­säch­lich so, dass ich, wenn ich mal – in mei­nem Fall: schwä­bisch – esse, einen Salat wäh­le und ein­fach nur Pom­mes dazu bestel­le. Die deut­sche Küche ist mei­ner Erfah­rung nach auch am wenigs­ten fle­xi­bel, man kann nicht ein­fach etwas weg­las­sen und es erset­zen – weil ein­fach ziem­lich alles etwas Tie­ri­sches ent­hält. Und wirk­lich sehr sel­ten gibt es auch Gemü­se, das ess­bar ist (und nicht total ver­kocht), daher mache ich dar­um eigent­lich auch, wenn es geht, einen ganz gro­ßen Bogen.

Dinge selber mitbringen.

Selbstgemachte Spieße für den Grill.
Wenn ich irgend­wo ein­ge­la­den bin, ist es meis­tens so, dass die Men­schen um mich her­um an mich den­ken. Zum Gril­len brin­gen sie Tofu mit, vega­ne Würst­chen oder kochen/grillen mir extra Gemü­se. (GANZ VIEL LIEBE!) Ich steu­er dann meis­tens noch Bei­la­gen bei: Nudel­sa­lat, Muf­fins, sons­ti­ges. Oder ein­fach den Alko­hol, pri­ma Sache.

Wenn es Leu­te sind, die sich mit vega­nem Essen nicht so aus­ken­nen, sowie­so nicht ger­ne kochen oder sich mit Kochen an sich wenig aus­ken­nen, berei­te ich mei­ne Din­ge Zuhau­se sel­ber vor und brin­ge sie ein­fach mit. Klar, den erhöh­ten Zeit­wauf­wand hat man dann zwar schon, aber wer sich für die vega­ne Ernäh­rungs­wei­se ent­schei­det oder sich dafür inter­es­siert, ist in der Regel auch dazu bereit, da auch mal Kom­pro­mis­se einzugehen.

In der Mit­tags­pau­se gehe ich sel­ten aus­wärts essen, meis­tens habe ich was dabei: Den Abend zuvor kochen wir so viel, dass ich für den nächs­ten Tag etwas habe. Oft holen die Kol­le­gen und ich auch ein­fach Zuta­ten für einen Salat und schnip­peln den gemein­schaft­lich. Und ab und an gibt’s natür­lich auch was von außer­halb – das ergibt sich meis­tens spontan.

Vegan auswärts essen gehen/bestellen in Stuttgart.

Inzwi­schen gibt es in Stutt­garts eini­ge Restau­rants, wo es von vor­ne her­ein vie­le vega­ne Spei­sen gibt, oder die spe­zi­ell für Vega­ner auch eine ganz gute Aus­wahl haben. Wer wei­te­re Vor­schlä­ge hat, ein­fach kom­men­tie­ren! Ich erwei­te­re die Lis­te gerne.

  • Wer vega­ne Piz­za oder Pas­ta (z. B. Bolo­gne­se) bestel­len möch­te, kann das beim Piz­za Ser­vice Delu­xe machen – die Aus­wahl ist echt super.
  • Das rein vega­ne Restau­rant Coox & Can­dy in Bad Cann­statt kann ich auch jedem emp­feh­len – wirk­lich sehr lecker!
  • Auch in Feu­er­bach gibt es ein vega­nes Restau­rant: das Kör­le & Adam. Ich selbst war noch nicht dort, wer­de es aber defi­ni­tiv mal nachholen.
  • Das Besi­tos in Stutt­gart (Stadt­mit­te) bie­tet auch jede Men­ge vega­ne Tapas an.
  • Asia­tisch klar, wer aber mal rich­tig lecker asia­tisch essen möch­te, soll­te es im Noodle1 am Wil­helms­platz mal probieren.
  • Oder viel­leicht mal Bur­ger? Hans im Glück bie­tet genau so vie­le vege­ta­ri­sche Bur­ger wie nicht-vege­ta­ri­sche an – ein vega­ner war auch dabei.
  • Wer auf lecke­re Fala­fel steht – für den ist der Veg­gie Vodoo King ein Muss. Alles ist vege­ta­risch mit vega­ner Auswahl.
  • Auch kürz­lich erst her­aus­ge­fun­den: Es gibt einen Döner in Stutt­gart, der auch eine vega­ne Vari­an­te anbie­tet: im Dil­ge­lay am Neckartor.
  • Dean & David ist eine Salat­bar in der Cal­wer Stra­ße, die auch vega­ne Wraps, Cur­ry oder Sup­pen anbieten.
  • Das Café Stel­la ist in der Nähe des Wil­helms­platz und bie­tet immer eine vega­ne Alter­na­ti­ve an.

Wie man sieht, ver­hun­gern müs­sen auch wir Vega­ner nicht – man muss nur wis­sen, wie man es anstellt. Manch­mal ist es nicht so ein­fach, vor allem am Anfang, wenn man noch nicht recht weiß, wo was drin ist und man sich auch nicht traut, Extra­wün­sche zu äußern. Wenn man aber mal den Dreh raus­hat, ist das alles ganz easy.

12 Comments

  1. Für unter­wegs: Mei­ne Frau nutzt die App »Hap­py­Cow«. Damit hat­ten wir in Por­tu­gal viel Erfolg – weil in Stutt­gart machen wir so schnell kei­nen Urlaub :)

    • Jenny

      Ah, inter­es­sant – gut zu wis­sen. Ja, im Urlaub ist es – je nach Rei­se­ziel – noch­mal eine gan­ze ande­re Situa­ti­on. Muss­te ich auch schon feststellen.

  2. Dan­ke für den Tipp mit dem Käse! Zur­zeit habe ich hier den Veg­gi Fila­ta und der schmeckt ein­fach mal nach NICHTS.

    Anfang Novem­ber eröff­net bei uns im Zen­trum zum Glück auch ein Veganz-Super­markt. Nach­dem er schon für den Som­mer ange­kün­digt war.

    • Jenny

      Geschmack­lich hab ich gar nicht so dar­auf geach­tet, ich hab nur oft fest­ge­stellt, dass die meis­ten vega­nen Käse eine echt wider­wär­ti­ge Kon­sitenz haben. Dass ich so einen Käse noch­mals gekauft habe, ist auch nur purer Zufall, sonst nut­ze ich meis­tens ande­re Alter­na­ti­ven (Nüs­se und so). Aber Piz­za mit »rich­ti­gem« Käse ist irgend­wie mehr fan­cy als mit Nussmus.

  3. Ah, im Restau­rant so direkt Son­der­wün­sche zu äußern, habe ich mich noch nicht getraut… müss­te ich viel­leicht mal machen.
    Wir haben hier in Köln prak­ti­scher­wei­se direkt gegen­über von der Fir­ma einen vega­nen Viet­na­me­sen, den ich sehr emp­feh­len kann (Well Being). Da gehe ich oft hin. Ansons­ten gern zu einem der ande­ren asia­ti­schen Läden – ich könnt’ echt jeden Tag Tofu mit Gemü­se in Cur­ry­so­ße essen ^^ – oder zum Tür­ken, der immer ein vega­nes Gemü­se­ge­richt auf der Tages­kar­te hat. :)
    (Wobei ich mich nicht strikt vegan ernähre.)

    • Jenny

      Na ja, es ist ja nix dabei, mal nach was Extra zu fra­gen, geht auch sehr kurz und schmerzlos. :)
      Nicht strikt bedeu­tet für Dich, auch mal Käse o. ä. zu essen?

  4. Du hast das Café Stel­la ver­ges­sen. Da ist zwar nicht alles vegan, aber vie­les. Und die vega­ne Bolo­gne­se da ist echt super!

  5. Ich werd mal wenn ich hier in Ham­burg essens­tech­nisch unter­wegs bin, ein Auge drauf werfen.

  6. Das »Kör­le & Adam« kann ich dir wirk­lich sehr emp­feh­len. Was mich dort – und im »Coox & Can­dy« übri­gens auch – aller­dings stört, ist der extrem erho­be­ne Zei­ge­fin­ger. Bei jeder Gele­gen­heit (sogar auf dem Klo) dar­auf hin­zu­wei­sen, wie schlecht Fleisch­kon­sum für die Tie­re und die Umwelt ist, nervt mich per­sön­lich. Ich will da gut und lecker essen und habe kei­ne Lust auf Tier- und Umweltschutzpropaganda.

    • Jenny

      Hmm, kann ich kon­kret gar nichts dazu sagen, weil mir das gar nicht auf­ge­fal­len ist. 

      Ich find’s in Ord­nung, in der Phi­lo­so­phie der Spei­se­kar­te die Beweg­grün­de auf­zu­zei­gen, mehr muss mei­ner Mei­nung nach auch nicht sein, und wenn, dann eben in die posi­ti­ve Rich­tung. Men­schen, die sowie­so schon in die­se Art von Restau­rant gefun­den haben, haben sich in der Regel schon mit der The­ma­tik auseinandergesetzt.

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