Vegane Kosmetik, tierversuchsfreie Kosmetik und Naturkosmetik.

Vegane Kosmetik

Ich habe mich früher nie intensiv mit Kosmetik auseinandergesetzt - und einfach gekauft, was irgendwie gut gerochen oder hübsch ausgesehen hat. Seit meinem "veganen Jahr", wie ich es liebevoll nenne, habe ich mich dann vermehrt mit veganer, tierversuchsfreier und Naturkosmetik auseinandergesetzt.

Dabei ist es so: tierversuchsfreie Kosmetik ist nicht automatisch vegan, vegane Kosmetik ist nicht automatisch tierversuchsfrei und Naturkosmetik ist weder zwingend vegan noch tierversuchsfrei.

Da es aber meiner Meinung nach nicht wirklich Sinn macht, vegane, aber nicht-tierversuchsfreie Kosmetik zu kaufen, wenn man Wert auf Tierschutz legt, muss man ein bisschen recherchieren. Anfangs steht man da ein bisschen vor einem wilden Produkte-Labyrinth, aber nach einer Weile ist es gar nicht mehr so schwer - ich habe mich (nach einer längeren Eingewöhnungsphase) schon so daran gewöhnt, dass ich meinem Kram ganz automatisch und ohne nachzudenken einkaufe.

Vegane, tierversuchsfreie und Naturkosmetik - was ist was?

Vegane Kosmetik bedeutet, dass das Produkt keine tierischen Bestandteile enthält - also zum Beispiel Honig, Milch oder Wachse. Naturkosmetik ist meist aus pflanzlichen, oft auch tierischen oder mineralischen Produkten hergestellt - also mit "natürlicheren" Produkten als herkömmliche Kosmetika. Eine eindeutige Definition gibt es hier auch noch nicht, wie bei so vielem. Aufschluss (oder auch nicht, da viele) geben bekannte Naturkosmetik-Siegel wie zum Beispiel NaTrue.

Tierversuchsfreie Kosmetik ist hingegen ein etwas schwammiges Thema und oftmals beziehen große Firmen zwar Stellung dazu, aber am Ende weiß man immer noch nicht klar, was Sache ist. Dem Thema haben sich glücklicherweise einige Blogs angenommen, die Unternehmen anschreiben und nachfragen, wie es in Sachen Tierversuche aussieht und auch Tierversuchslisten führen. Wer googelt, findet dazu auch genug, um sich selbst schlau zu machen.

Per se ist es so, dass Tierversuche für Kosmetika seit 1998 in Deutschland und seit 2004 in der EU verboten sind, allerdings führen manche Unternehmen weiterhin Tierversuche in Drittländern durch - und viele exportieren zum Beispiel auch nach China, wo die Produkte an Tieren gestetet werden müssen.
Oft schreiben Unternehmen auch, dass sie ihre (End)Produkte nicht an Tieren testen, was aber leider nicht ausschließt, dass einzelne Inhaltsstoffe eben nicht tierversuchsfrei sind - falls ihr also mal über eine dieser Phrasen stolpert, lest einfach mal genauer nach.

Woher bekommt man vegane Kosmetik ohne Tierversuche?

Leider ist es so, dass nicht immer klar ersichtlich ist, welches Produkt nun vegan oder gar tierversuchsfrei ist, allerdings haben wir vieles eigentlich immer direkt vor der Nase, man muss nur wissen wo. Viele Drogerien bieten vegane Kosmetik, die tierversuchsfrei sind, an, ich selbst gehe am liebsten zu dm und bediene mich an der Naturkosmetik-Marke alverde, die auch - falls vegan - mit dem Vegan-Siegel ausgezeichnet ist. Zudem weiß ich, dass dm-Eigenmarken alle tierversuchsfrei sind und kann somit "beruhigt" einkaufen gehen.
Auch bei Rossmann findet man die Naturkosmetik-Marke lavera, die ebenfalls tierversuchsfrei ist und entsprechende Produkte mit dem Vegan-Siegel auszeichnet.

Wer es etwas extravaganter oder spezieller mag, hat auch die Möglichkeit bei Lush handgemachte Kosmetik-Produkte zu erwerben. Lush verzichtet ebenso auf Tierversuche und hat sehr viele vegane Produkte zu bieten, außerdem achtet das Unternehmen darauf, möglichst wenig Verpackungsmüll zu produzieren. Allerdings hat das auch seinen Preis - und ist für mich persönlich immer ein Grund, nur zu besonderen Anlässen dort einzukaufen. #gönndir

Und wie machst Du das, Frau Penny?

Ich bin ja ein Typ, der relativ wenig Make-up besitzt und sich selten schminkt - und so nicht ständig in die Bredouille kommt, darüber nachdenken zu müssen, was man kauft. Wenn ich etwas kaufe, dann recherchiere ich davor meist, oder orientiere mich an Reviews von anderen Bloggern - auch, weil ich oft höre, dass manche vegane Make-up-Produkte qualitativ schwieriger sind (Mascara ist wohl so ein Fall) oder schwerer zu bekommen - aber das ist, wie gesagt, auch nicht mein Fachgebiet. Generell gibt es aber auch in Drogerien den ein oder anderen Naturkosmetik-Schminkkram, den man kaufen kann. Pinsel und anderes Zubehör gibt es dort ebenfalls vegan.

Dinge wie Shampoo, Duschgel bzw. Dinge, die man halt so für die tägliche Körperpflege braucht, bekomme ich beim Drogeriemarkt um die Ecke, wie oben beschrieben. Große Marken wie bebe oder Nivea habe ich inzwischen nach und nach aus Tierschutzgründen aus meinem Repertoire gebannt. Da ich auch kein Mensch bin, der auf bestimmte Marken steht, auf diese fixiert ist oder nicht veträgt, war das überhaupt kein Problem.

Mein persönliches Fazit

Insgesamt muss ich sagen, dass die Umstellung auf vegane Kosmetik relativ einfach war. Und da ich nur das Nötigste an Kosmetik brauche, hat sich das Ganze relativ fix in meinen Alltag integriert. Viele Veganer sagen, dass Kosmetik der für sie schwerste umzusetzendste Bereich ist, ich finde, für mich ist es teilweise viel einfacher, als vegan zu essen, da ich hier einfach keine Präferenzen oder Must-haves habe, die ich unbedingt benötige oder gern habe.

Teurer sind die Produkte im Durchschnitt auch nicht - wie bei "herkömmlicher" Kosmetik kann man sich an total tollen Special-Sachen die halt teurer sind, totkaufen, oder auf die preisgünstigere Variante zurückgreifen.

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Auch vielen Dank an Rebecca von der Stuttgarter Zeitung, die mich zum Thema "vegane Kosmetik" interviewt hat. :)

7 Comments

  1. Hey Jen­ny,
    Kos­me­tik ist für mich auch so ein The­ma… mal habe ich eine Pha­se, wo ich ganz genau drauf ach­te, dass auch ja alles vegan ist, mal ist es mir dann ein­fach egal und ich kau­fe, was gut riecht und güns­tig ist. Tier­ver­suchs­frei ist so ein The­ma, was ich voll und ganz unter­stüt­zen wür­de, scha­de, dass Pro­duk­te dem­entspre­chend nicht gekenn­zeich­net sein müssen.
    LG

    • Jenny

      Ich glau­be, so lan­ge man das trotz­dem im Hin­ter­kopf hat und rea­li­siert ist das wesent­lich bes­ser, als völ­lig unbe­wusst ein­zu­kau­fen. Ver­ste­he ich voll und ganz.

  2. Ziem­lich span­nen­des The­ma, dan­ke für den super Über­blick. Nur den Satz „Ins­ge­samt muss ich sagen, dass die Umstel­lung auf vega­ne Kos­me­tik rela­tiv ein­fach war“ kann ich so lei­der nicht unter­schrei­ben. Mit mei­ner Neu­ro­der­mi­tis bin ich zum Bei­spiel auf eine Body­lo­tion mit Urea ange­wie­sen – und da gibt es, soweit ich das bis jetzt sehe, tat­säch­lich nur einen ein­zi­gen Her­stel­ler, der sowas über­haupt in BIO anbie­tet. Vegan ist die dann immer noch nicht. :-/

    • Jenny

      Ich ken­ne ein paar Leu­te mit diver­sen Lei­den bezüg­lich der Haut, denen es dann auch nicht mög­lich ist, kom­plett vegan ein­zu­kau­fen. Da bleibt nur zu hof­fen, dass sich auch in die­ser Hin­sicht was tut. :-/

  3. Tol­ler Arti­kel! Das ist doch wirk­lich mal ein guter Über­blick über die ver­schie­de­nen Produktkategorien :)

  4. Mei­ner Erfah­rung nach lohnt es sich, sich etwas mit den ver­schie­de­nen Sie­geln zu beschäf­ti­gen. Mir woll­te es zum Bei­spiel auch nicht in den Kopf rein, dass auch vega­ne Zuta­ten an Tie­ren getes­tet wer­den kön­nen , was dann das Pro­dukt in eine wirk­lich merk­wür­di­ge Posi­ti­on bringt. Aber die meis­ten vegan-Sie­gel (oder die, auf die ich geach­tet habe, weil sie auf mei­nen Pro­duk­ten waren) ver­fol­gen einen ganz­heit­li­chen Ansatz und ver­lan­gen, dass auch auf Tier­ver­su­che ver­zich­tet wird.

    Was man beim Kauf auch beach­ten soll­te: Natur­pro­duk­te sind nicht unbe­dingt scho­nen­der zur Haut. Äthe­ri­sche Öle sind zum Bei­spiel oft­mals rela­tiv hart für die Haut, wes­halb bei mir vie­le Pro­duk­te von LUSH raus sind. Sehr vie­le Natur­kos­me­tik-Sham­poos ent­hal­ten auch wei­ter­hin Sul­fa­te, die ich eben auch nicht vertrage.
    Ins­ge­samt, trotz meckern­der Haut, ist Kos­me­tik für mich aber auch der Bereich in mei­nem Leben, den ich am leich­tes­ten vega­ni­sie­ren kann.

  5. Ich bin nun wahr­lich kein Kos­me­tik-Exper­te, aber ich hät­te auch ver­mu­tet, dass es bei Kos­me­tik viel ein­fa­cher ist als bei der Ernäh­rung. Schließ­lich esse ich nicht drei Mal am Tag das glei­che, aber ich benut­ze jeden Tag das glei­che Dusch­gel und das glei­che Shampoo.

    (Über mei­ne Mas­ca­ra- und Lip­pen­stift­ge­wohn­hei­ten möch­te ich nicht öffent­lich sprechen. ;-))

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